Corona: Maßnahmen des Klinikums – Tests an Drive-In-Station
Planbare Operationen werden verschoben

60 Corona-Tests pro Tag werden in der Ortenau täglich genommen.

Ortenau (rek). Samstag sollte die Puppenparade eigentlich vor dem Kehler Kulturhaus eröffnet werden – dieser Programmpunkt wurde noch am Freitag auf der Corona-Krise abgesagt, wie alle weiteren Termine der Reihe, die nicht zuvor bereits abgesagt worden waren. Die Stadt Offenburg hat zudem sämtliche städtischen öffentlichen Einrichtungen wie Museen, Stadtbibliothek, Freizeitbad, Seniorenbüro, Galerie, Volkshochschule, Musikschule und Kunstschule seit Samstag geschlossen. Kehl hatte zudem den Betrieb zweier Diskotheken am Wochenende untersagt.

Alle Kommunen bieten jetzt bevorzugt für Kinder, deren Eltern im medizinischen oder pflegerischen Bereich tätig sind oder bei sogenannten Blaulicht-Organisationen oder anderen wichtigen Einrichtungen ihren Dienst versehen, an. Offenburg erweitert dieses Angebot auf Eltern und Alleinerziehende, die berufstätig und an der Arbeitsstelle unabkömmlich sind. Mühlenbachs Bürgermeisterin Helga Wössner appelliert stellvertretend an "das ehrenamtliche Engagement und die gegenseitige Unterstützung in allen Bereichen" und fordert zu Nachbarschafthilfe auf.

Wiederkehrenden Gerüchten aus den sozialen Medien, der Ortenaukreis würde überhaupt keine Tests mehr durchführen, widerspricht die Leiterin des Gesundheitsamts Evelyn Bressau. „Das Gegenteil ist der Fall, wir haben unsere Testkapazitäten deutlich erhöht und können jetzt viel mehr als noch zu Beginn der Epidemie testen“. Zentrale Anlaufstelle für Coronavirus-Tests ist seit Anfang März eine Drive-In-Station. „Derjenige, der getestet werden muss, fährt mit dem Auto vor, kurbelt das Fenster runter, öffnet seinen Mund und ein Arzt in entsprechender Schutzkleidung nimmt den Rachenabstrich direkt am Wagen vor“, erläutert Doris Reinhardt von der Kassenärztliche Vereinigung, die zusammen mit dem Gesundheitsamt und dem Ortenau Klinikum die Station betreibt. Ohne angemeldeten Termin einfach vorbeizufahren und sich auf Verdacht testen lassen, sei nicht möglich und sei auch nicht sinnvoll. "Es entscheiden nach wie vor die Hausärzte und das Gesundheitsamt, ob ein Test notwendig ist", so Reinhardt. 60 Abstriche täglich seien inzwischen über die zentrale Abstrichstelle möglich. Die genommenen Proben werden täglich per Express ins Labor geschickt, zwei Tage später ist das Ergebnis da. Bis dahin müssen die getesteten Personen in häuslicher Quarantäne bleiben.

Das Ortenau Klinikum hat am Samstag in Abstimmung mit Landrat Frank Scherer weitreichende Vorbereitungen verkündet, um die Versorgung der Bevölkerung unter den sich abzeichnenden Herausforderungen anzupassen. „Wir stellen uns jetzt frühzeitig so auf, dass wir gut vorbereitet sind und die stationäre Gesundheitsversorgung auch für die kommenden Wochen und Monate sicherstellen. Dafür sind ein besonderes Handeln und weitreichende Maßnahmen notwendig“, so Ortenau Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller. Die wichtigsten Zielsetzungen seien dabei die Versorgungssicherheit sowie der Schutz der Patienten und der Mitarbeiter des Ortenau Klinikums. So würden ab Montag an allen Ortenauer Standorten grundsätzlich alle planbaren Patienten-Aufnahmen, Operationen und Eingriffe – soweit medizinisch vertretbar – auf unbestimmte Zeit verschoben. Darüber hinaus werde das Ortenau Klinikum die dadurch freiwerdenden Kapazitäten an Betten und Personal dazu nutzen, um mehr Intensivplätze zu schaffen, um möglichst viele Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen durch Covid-19 bereitstellen zu können. Zudem habe das Ortenau Klinikum für alle Mitarbeiter eine Urlaubssperre ausgesprochen. „Wir benötigen jetzt alle unserer Mitarbeiter und setzen auf ihr großes Engagement und ihre Professionalität“, so Klinik-Chef Keller. Eingerichtet worden seien ein zentrale Krisenstab, örtliche Krisenstäbe in den Kliniken sowie mehrere Arbeitsstäbe, die unter Beteiligung aller wesentlichen Abteilungen und Fachkliniken des Ortenau Klinikums vor allem die medizinischen und personellen Ressourcen des Klinikverbundes bündeln sollen.

Derzeit verteilen sich die 24 bis Freitag bestätigten Fälle im Ortenaukreis wie folgt auf die Altersstufen fünf bis 14 Jahre mit einem Fall, zwischen 15 bis 34 Jahren sind es fünf, zwischen 35 bis 59 Jahren sind es acht, zwischen 60 bis 79 Jahren sieben sowie über 80 Jahre drei.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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