Fussnote
An Harsewinkel liegt es nicht

Nur einer kleinen Zahl von Menschen im Badischen ist der Name der Stadt Harsewinkel bekannt. Diejenigen, die vielleicht ahnen, wo sie liegt, kommen eventuell aus der Landwirtschaft, sind Freunde des Grasbahn-Rennsports oder regelmäßige Zuschauer der "Heute-Show" im ZDF, jener kabarettistischen, das wöchentliche politische Geschehen aufs Korn nehmenden Freitagabend-Sendung.

In der Landwirtschaft ist Harsewinkel ein Begriff, weil dort der Landmaschinenherstellers Claas seinen Sitz hat. Mähdrescher, Rund- und Quaderballenpresser, Traktoren, Futtererntemaschinen und alles andere für die Ernte nötige Gerät wird zum Großteil dort produziert. Das 1913 gegründete Unternehmen gehört zu den Markt- und Technologieführern in der Erntetechnik. Wenn Claas einen Schnupfen hat, weiß man dort, geht es der 24.000-Einwohner-Stadt und seinen weltweit über 10.000 Beschäftigten schlecht.

Um den Zusammenhang zwischen Landmaschinen und "Heute-Show" herzustellen, muss man regelmäßiger Zuschauer sein. Öfters lässt Moderator Oliver Welke einfließen, dass er in der ostwestfälischen Kleinstadt zwischen Gütersloh (Bertelsmann) und Bielefeld (gibt es doch!) aufgewachsen ist. Das wiederum ist die Gemeinsamkeit zwischen Welke und dem diese Zeilen schreibenden Zeitgenossen.

Dass mehr als 80 Prozent der Fläche Harsewinkels aus Wäldern, Feldern und Wiesen besteht, will Welke mit seinem wiederkehrenden Herkunftsnachweis herausstellen, ohne es beschreiben zu müssen. Der Nabel der Welt ist woanders, das wissen wir beide – und obwohl beide ähnlichen Jahrgangs, kennen wir uns nicht persönlich.

Zwei Tage vor der jüngsten Bundestagswahl rief er den Namen dieser an der namhafteren Ems liegende Stadt erneut via Bildschirm in die Wohnzimmer. Der Zusammenhang allerdings ließ alle unwissenden ehemaligen Harsewinkeler aufschrecken. Natürlich war die AfD Thema rauf und runter und damit auch deren Spitzenkandidatin Alice Weidel. Auch die weit über zehn Jahre jüngere Abgeordnete mit den kruden Ansichten nennt die Stadt ihre Heimat.

Was das alles über Harsewinkel sagt: klein, für manche fein, aber in jedem Fall weltoffen. Denn auch Claas ist groß geworden durch eine Vielzahl von Gastarbeitern. Es hat Harsewinkel nicht geschadet – aber warum der unangenehm auffallenden Frau Weidel?

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