Ex-Finanzamtschef Klaus Thomas Teufel ist im Unruhestand
Europa ist für ihn auch ein Friedensprojekt

Klaus Thomas Teufel auf der Baustelle für den Neubau des Finanzamtes in Offenburg, ein Projekt, das ihm als Vorstand sehr wichtig war.
  • Klaus Thomas Teufel auf der Baustelle für den Neubau des Finanzamtes in Offenburg, ein Projekt, das ihm als Vorstand sehr wichtig war.
  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Christina Großheim

Offenburg (gro). Wer glaubt, dass die Arbeit in der Finanzverwaltung langweilig ist, der sollte Klaus Thomas Teufel zuhören. Seit einem Jahr ist der ehemalige Vorstand des Finanzamtes Offenburg in Ruhestand, aber noch immer schwingt Stolz auf seine Mitarbeiter und "sein" Amt mit, wenn er von seiner Zeit dort erzählt.

Geboren wurde er 1953 in Saarbrücken. "Die Stadt war damals noch französisch", erzählt Teufel. Schon Ende der 50er-Jahre kam die Familie nach Baden. "Mein Vater war bei der Bahn beschäftigt", so Teufel. Das bedeutete damals häufiges Umziehen für die Familie. Die Stationen waren Singen, Messkirch, St. Georgen, Mosbach und Müllheim, bevor sie auf Dauer in Offenburg blieb. "Ich bin hier aufgewachsen", sagt Klaus Thomas Teufel. Er besuchte das Schiller-Gymnasium und studierte nach seinem Abitur in Freiburg Jura. "Eigentlich wollte ich Richter werden", erinnert er sich. Doch nach dem zweiten Staatsexamen zog es ihn in die Finanzverwaltung. "Ich musste praktisch ein zweites Studium darauflegen", sagt er mit einem Lächeln. "Steuerrecht spielt in einem klassischen Jurastudium nur eine untergeordnete Rolle."

Seine erste Stelle war beim Finanzamt in Offenburg. "Ich war erst bei der Betriebsprüfung und übernahm dann als Vertreter des Vorstandes des Finanzamts Lahr schon früh eine Führungsaufgabe", so Teufel. Weitere berufliche Stationen waren Lörrach und in der Oberfinanzdirektion in Karlsruhe. "1990 war ich zwei Jahre in Riesa in Sachsen. Es ging um den Aufbau einer Finanzverwaltung, das war das Spannendste, was ich je gemacht habe", so Teufel. "Wir hatten so gut wie keine Telefone, drei Rechner und arbeiteten mit einem Overhead-Projektor und einem Bettlaken in den Gasthöfen, um den Menschen die Kernpunkte eines Lohnsteuerjahresausgleichs näher zu bringen." Denn in der ehemaligen DDR gab es so etwas nicht. In dieser Zeit erlebte Teufel auch die großen Verwerfungen dort mit. "Ich erinnere mich noch an den Tag des Militärputsches gegen Gorbatschow im August 1991. Als in Moskau die Panzer durch die Straßen rollten, haben das die Menschen in Sachsen als Bedrohung empfunden", sagt er.

Beruflich flexibel, in Offenburg verwurzelt

Auch wenn Klaus Thomas Teufel beruflich viel unterwegs war, sein Lebensmittelpunkt war und blieb Offenburg. Im März 2011 wurde er schließlich Vorstand in Offenburg. "Offenburg ist das zweitgrößte Finanzamt in Baden-Württemberg mit drei Außenstellen in Achern, Kehl und Wolfach. Das Volumen liegt bei 3,5 Milliarden Euro", hat er noch immer die wichtigsten Daten parat. Er macht keinen Hehl aus seiner Freude, über den Neubau, der gerade entsteht. "An diesem Thema bin ich seit 1983 dran. Die Zusage vor einem Jahr war ein schönes Abschiedsgeschenk. Mit den Handwerker können sich jetzt andere herumärgern", stellt er mit einem Augenzwinkern fest.

Ruhestand ist nicht der richtige Ausdruck für seine jetzige Lebensphase. Noch immer hat er zahlreiche Ehrenämter wie Kuratoriumsmitglied im Technologiepark Offenburg oder Mitglied des Rechnungsprüfungsausschusses der Erzdiözese Freiburg inne. Und auch in der Weiterbildung der Finanzangestellten ist er tätig.

Besonders am Herzen liegt ihm seine Arbeit für den Verein "Die Brücke", der den Austausch mit den Offenburgern Partnerstädten mit Leben erfüllt. "Ich bin und war immer ein Grenzgänger, Europa ist mir ein großes Anliegen", so Teufel. "Meiner Meinung nach wird immer noch die Bedeutung der Europäischen Union für die Tatsache, dass wir seit vielen Jahren Frieden in Zentraleuropa haben, verkannt."
So zögerte er auch nicht, als er vor zehn Jahren den Vorsitz der "Die Brücke" übernahm. Der Austausch zwischen den europäischen Länder ist für ihn "in gewisser Weise ein Friedensdienst, man lernt sich gegenseitig verstehen". Sein Dank gilt seinen Mitstreiter in dem Verein, auf deren Engagement er sich verlassen kann. "Mich reizt, mit fremden Kulturen und Menschen ins Gespräch zu kommen", zeigt er seine Motivation auf. Kein Wunder, dass er seine Zeit für Reisen nutzt. Und eine neue Aufgabe kommt ebenfalls auf ihn zu: "Ich habe festgestellt, dass der Opa zunehmend für Betreuungsdienste gebraucht wird."

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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