Erfahrungsbericht aus Impfzentrum
Mit Plüschpferd im Arm ist Impfung einfach

Ohne Zucken und ohne einen Mucks nimmt der zehnjährige Finn die zweite Impfung entgegen.
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Offenburg (rek). "Bei Ihnen gibt es Süßigkeiten, habe ich von meiner Schwester gehört." Völlig locker geht der zehnjährige Finn im Offenburger Kreisimpfzentrum zur Registrierung bei Petra Keller. Finn hat aber auch Informationen aus erster Hand, er kennt sich aus, denn er kommt an diesem Tag in der ersten Schulwoche nach den Weihnachtsferien in Begleitung seines Vaters zu seiner zweiten Impfung. Die Guller-Redaktion besucht das Impfzentrum, begleitet ihn bei den verschiedenen Stationen und hat mit Diana Kohlmann, Dezernentin im Landratsamt und Organisatorin der vier Ortenau Kreisimpfenzentren in Offenburg, Lahr, Oberkirch und Haslach, Dr. Doris Reinhardt, Pandemie-Beauftragte des Ortenaukreises, und dem Kinderarzt Dr. Oliver Augenstein fachkundige Informationsgeber an der Seite.

Die Eisbrecher

Petra Keller, die hauptberuflich im Marketing tätig ist, hat aber nicht nur Naschereien als Eisbrecher im Angebot, sondern auch das Impfpferd Hugo aus Plüsch mit Pflaster am Vorderbein. Die dreifache Großmutter nimmt das Plüschpferd in den Arm und berichtet von jüngeren Kindern, vor allem kleinen Mädchen, die in tierischer Begleitung ihre Impfung bekommen.

Erst- und Zweitimpfung bei Kindern

1.600 Kinder zwischen fünf und elf Jahren haben inzwischen ihre erste und 200 auch schon die zweite Impfung bekommen, nennt Dr. Diana Kohlmann Zahlen. Hinzukommen die Kinder, die mit ihren Eltern in den Praxen der Kinderärzte waren. "Viele Kinder haben vor Weihnachten die Chance genutzt, sich impfen zu lassen", ist die Erfahrung von Kinderarzt Dr. Oliver Augenstein, der in einer Lahrer Praxis praktiziert: "Und ich habe von keinem Kind, das jetzt nach der empfohlenen Wartezeit von drei Wochen für die Zweitimpfung kommt, gehört, dass es an Heiligabend sein Geschenk nicht hochheben und auspacken konnte", berichtet Augenstein aus den Erzählungen im Imfpzentrum und der Kinderarztpraxis.

Jede Maßnahme trifft Kinder schärfer

Finn hat binnen weniger Minuten die Registrierung mit seinem Vater erledigt, sich eine Süßigkeit eingesteckt und geht nun mit seinem Vater zum Beratungsgespräch. "Nö", antwortet er lapidar auf die Frage von Dr. Augenstein, ob er nach der ersten Impfung Probleme gehabt hätte. Natürlich klärt der Kinderarzt auch über mögliche Nebenwirkungen auf. "Kann ich diese Woche noch Basketball spielen?", möchte der Schüler wissen. Damit soll er eine Woche aussetzen, genau wie mit dem Schulsport, lautet Augensteins Hinweis, dass normale Bewegung völlig in Ordnung ist, aber Sport eben jetzt Pause hat. Nebenwirkungen, wie leichte Einschränkungen der Armbewegungen seien möglich, seltener Fieber und Husten. "Wenn Brustschmerzen aufträten oder besondere Schlappheit", wendet sich der Arzt an den Fünftklässler und den Vater gleichzeitig, sollen beide das aufmerksam beobachten und dann im Zweifel einen Kinderarzt kontaktieren.

"Jede einschränkende Pandemie-Maßnahme trifft die Kinder deutlich schärfer", macht Dr. Reinhardt ihre Sicht klar. Kinder seien in der bescheidenen Situation, dass sie durch ihre schulischen und privaten Kontakte eben einer größeren Gefahr ausgesetzt seien. Daher sei deren Schutz enorm wichtig. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass jüngere Männer stärkere Symptome nach dem Impfen als ältere entwickelt haben", berichtet sie von Studien. "Bei Kindern und Jugendlichen ist aber keinesfalls eine Steigerung in dieser Hinsicht zu verzeichnen." Sie betont aber auch, wie für sie die Prioritäten aussehen: "Das Impfen der Menschen über 18 Jahren ist wichtiger als das der über Fünfjährigen." Ihre Befürchtung ist aber auch: Kinder, deren Eltern sich nicht impfen ließen, kämen auch nicht ins Impfzentrum oder zum Kinderarzt. "Zum Glück wissen wir, dass die Schnelltests, die in den Schulen täglich durchgeführt werden, auch auf die Omikron-Variante anspringen", so Reinhardt.

Piks gut überstanden

Finn hat den Piks durch einen Malteser ohne Probleme überstanden. "Beim ersten Mal habe ich mich noch ein bisschen erschrocken", erinnert er sich. Das zweite Mal, so klingt es, ist schon Routine. In der Wartezone berichtet der Vater, selber Lehrer, dass die Impfquote, auch was er von Kollegen höre, in den Klassen eher niedrig ist: "Wir planen jetzt mal wieder Klassenausflüge, wissen aber nicht, ob sie stattfinden." Dazu hat auch der Fünftklässler noch was zu sagen: "Ich habe mich von der ersten Klasse an auf die Abschlussfahrt der Grundschule gefreut." Er musste ohne sie die Schule wechseln. Wie sagte Dr. Reinhardt: "Jede Einschränkung trifft Kinder deutlich schärfer." Finn und andere Kinder haben ihren Beitrag geleistet.

Wie geht es weiter?

Der Ortenaukreis wird die vier Kreisimpfzentren in Offenburg, Lahr, Oberkirch und Haslach mindestens bis 31. März betreiben. Als Reaktion auf die aktuell sinkende Nachfrage wird der Betrieb mit verringerter Kapazität bei nahezu gleichen Öffnungszeiten weitergeführt werden. In Offenburg wird ab 1. Februar an sechs anstatt bisher 18 Impfstraßen täglich geimpft werden. In Lahr, Oberkirch und Haslach werden die jeweils sechs Impfstraßen auf drei reduziert. Die Öffnungszeiten werden an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr verkürzt, von Montag bis Freitag wird weiterhin zwischen 12 und 20 Uhr geimpft.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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