Anpassung der Medizinstrategie
Zentralisierungen wahrscheinlich

Für den Klinikneubau in Lahr wurde der Bauantrag eingereicht.  | Foto: Visualisierung: GMP International GmbH
  • Für den Klinikneubau in Lahr wurde der Bauantrag eingereicht.
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Ortenau Die finanziellen Perspektiven für das Ortenau Klinikum sehen alles andere als rosig aus – der wirtschaftliche Druck ist groß. Dazu hat der Kreistag in nicht-öffentlicher Sitzung beraten und am Abend veröffentlichte der Ortenaukreis eine Pressemitteilung dazu. Grundtenor ist, dass gespart werden muss. Wo genau, blieb zunächst offen. In einem Pressegespräch zwei Tage später stellten das Ortenau Klinikum und der Ortenaukreis unterschiedliche Varianten einer Anpassung der Medizinstrategie vor, die das Defizit des Klinikums senken sollen. Diese Varianten wurden den Kreistagsmitgliedern bereits in besagter nicht-öffentlicher Sitzung en détail vorgestellt.

Anlass der Überprüfung der Medizinstrategie seien die seit dem Beschluss der Agenda 2030 veränderten Anforderungen an die Krankenhausversorgung und der erhebliche wirtschaftliche Druck auf das Ortenau Klinikum. Seit der strategischen Neuausrichtung durch den Kreistag im Jahr 2018 hätten sich die gesetzlichen, wirtschaftlichen und medizinischen Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Eine Weiterentwicklung der Medizinstrategie sei deshalb erforderlich.

Konkret rechnet der Kreis vor, dass das kürzlich verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ohne weitere Einsparungen zu einen Fehlbetrag von rund 50 Millionen Euro beim Ortenau Klinikum für die Jahre 2029 und 2030 führen würde. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz trage dazu mit einem Betrag zwischen 20 und 30 Millionen Euro bei.

"Die Agenda 2030 ist ein schwerer Tanker. Auf dem Weg zum Ziel ist er Gegen- und Seitenwinden ausgesetzt und deshalb muss der Kurs nachjustiert werden", sagte Landrat Thorsten Erny beim Pressegespräch.

Bekenntnis zum Neubau in Lahr

Er betonte hierbei, dass die vorgestellten Varianten die Entscheidung des Kreistags in keiner Weise vorwegnehmen würden. Zudem bekannte er sich zum Neubau am Standort Lahr. Hierzu hatte es in den vergangenen Wochen Gerüchte gegeben, dass er möglicherweise gar nicht realisiert werde. "Unsere DNA ist ein öffentlich-rechtliches Klinikum an vier Standorten", so Erny. Claudia Bauer-Rabe, Vorstandsvorsitzende des Ortenau Klinikums, ergänzte, dass der Bauantrag für den Neubau in Lahr bereits eingereicht wurde.

Ein anderes Gerücht, nämlich der Wegfall der Geburtshilfen in Achern und Lahr hin zu einer Zentralisierung in Offenburg, ist jetzt bei einem entsprechenden Votum des Kreistags, eine mögliche Variante bei der Anpassung der Medizinstrategie.

Warum gerade die Geburtshilfe im Fokus der möglicher Veränderungen liegt, machte Bauer-Rabe anhand der Geburten im Ortenaukreis deutlich. Die seien seit Jahren rückläufig – an allen Standorten. Im gesamten Ortenaukreis gab es 2024 3.617 Neugeborene, im Jahr 2025 3.426 und für das laufende Jahre habe man 3.390 Geburten hochgerechnet. "Bereits jetzt werden 64,4 Prozent aller Neugeborenen am Standort Offenburg zur Welt gebracht", erklärte Bauer-Rabe.

Die Zentralisierung der Geburtshilfe am Standort Offenburg habe laut Kathleen Messer, Pflegerische Vorstand am Ortenau Klinikum, mehrere Vorteile. "Das Konzept sieht die Wahlfreiheit und Abdeckung unterschiedlicher Bedürfnisse vor: von der interventionsarmen Geburt bis zur hochspezialisierten Versorgung bei Risiken." Zudem konnten hierbei Synergien genutzt und Doppelvorhaltungen vermieden werden.

Zwei der insgesamt fünf vorgestellten Varianten sehen eine Zentralisierung der Geburtshilfe in Offenburg vor. Während es sich für den Standort Achern bei allen Varianten immer nur um die Frage dreht, ob die Geburtshilfe bleibt oder nach Offenburg geht, sieht das für den Neubau in Lahr gänzlich anders aus. Bei einem Wegfall der Geburtshilfe in Lahr könnten in einer Variante auch die Bereiche Hämatologie/Onkologie, HNO, Scherzmedizin und Psychotherapie nach Offenburg gehen. In einer anderen Variante könnten zusätzlich auch noch die Kardiologie und Neurologie in Lahr wegfallen. Andere Varianten, bei denen die Geburtshilfen in Achern und Lahr bestehen blieben, sähen entweder eine Zentralisierung der Kardiologie oder eine Bündelung von Kardiologie und Neurologie in Offenburg vor.

In den beiden Varianten, die eine zentrale Geburtshilfe in Offenburg vorsehen, würde sich nach den Berechnungen des Ortenau Klinikums das Defizit am deutlichsten verringern – auf 40,4 Millionen Euro oder 38,6 Millionen Euro jährlich.

Eine weitere Stellschraube wurde mit einer möglichen vorzeitigen Schließung des Standort Kehls präsentiert – noch vor der Inbetriebnahme des Standorts Achern, die laut Bauer-Rabe für den 6. Dezember 2027 vorgesehen ist.

Mit einer Beschlussfassung des Kreistags zur Anapassung der Medizinstrategie rechnet Landrat Erny im Januar 2027.

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