Die Glosse im Guller
Das Aufheb-Gen von der bayerischen Oma Anni
- hochgeladen von Anne-Marie Glaser
Umzüge sind immer eine sehr gute Gelegenheit auszumisten. Zumindest theoretisch – praktisch ist das leichter gesagt als getan. Wenn jemand gut im Wegwerfen wäre, würde sich ja erst gar nicht so viel ansammeln. Ich persönlich bin nicht so gut darin. Das zeigt sich gerade wieder einmal beim aktuellen Umzug unseres Verlags in das Helios-Gebäude.
5.000 Klarsichthüllen
Nehmen Sie beispielsweise nur die 5.000 Klarsichthüllen im großen Schrank in meinem Büro. Vielleicht sind es auch 6.000, das lässt sich schwer schätzen. Tatsächlich wäre ich froh, jemand würde sie mir wirklich abnehmen. Ich selbst brauche nämlich nur selten eine solche Hülle, bekomme aber immer wieder welche in Pressemappen. Die sind natürlich zum Wegwerfen viel zu schade. Deshalb haben sich in den vergangenen 14 Jahren, die ich inzwischen in diesem Büro residiere, beachtliche Stapel angehäuft. Davon abgesehen waren auch mein Vorgänger sowie dessen Vorgängerin fleißige Klarsichtfolienhorter. Und nun soll ausgerechnet ich diese seit Generationen gewachsene Sammlung einfach im gelben Sack entsorgen? Meine Oma Anni würde sich im Grab umdrehen. Denn bei meiner bayerischen Großmutter wurde nichts noch Brauchbares weggeschmissen.
Ich habe jetzt keine klare Erinnerung mehr an ihre Büromaterial-Bestände. Aber Oma Anni hätte solche 1A-Klarsichthüllen sicherlich zu schätzen gewusst. Selbst wenn sie keinen Bedarf für deren eigentliche Bestimmung gehabt hätte. Sie hätte erst kurz nachgedacht und dann damit ruckzuck ein Regencape für die Enkelin zusammengetackert.
250.000 Büroklammern
Ja, so war die Anni. Leider habe ich ihre praktische Geschicklichkeit nicht geerbt, dafür das Aufheb-Gen. Ob das ansteckend ist? Meine beiden Kollegen im Nebenzimmer fragen nämlich gerade nach einem weiteren Umzugskarton. Sie hätten so viele Klarsichthüllen. Egal, das ist deren Problem. Ich muss mich jetzt erst mal um meine 250.000 Büroklammern kümmern.













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