Fußnote, die Glosse im Guller
Der Schrei des Schnittlauchs

Eine schöne Scheibe frisches Roggenbrot, gute Butter, eine Prise Salz und viel kleingeschnittenen Schnittlauch – mehr brauche ich nicht zum Glück. Zumindest gilt das für die Fastenzeit. Komplett für immer auf Schweinereien wie Schnitzel und Schwarzwälder Schinken verzichten, will ich aber nicht. Ab heute stehen deshalb wieder Leberwurst und Lyoner auf dem Speiseplan. Obwohl so ein Schnittlauchbutterbrot zwischendurch auch immer mal wieder was Feines ist.

Fleischeslust

Wer wie ich aus einem bayrischen Dorf stammt, wo früher vor vielen Häusern noch die Misthaufen dampften, der weiß, wie die Steaks zuvor lebendig im Stall aussahen. Ja, für meine Fleischeslust müssen Tiere ihr Leben lassen. Wenn es ein Glückliches auf saftigen Weiden war, dann halten sich meine Gewissensbisse in Grenzen. Was mich aber zunehmend belastet, das ist das Dasein des Schnittlauchs auf meinem Fensterbrett.

Warnung!

Doch halt: Sensible Gemüter sollten an dieser Stelle lieber aufhören, weiterzulesen. Der folgende Text ist nicht für Kinder unter 18 Jahren und besonders mitfühlende Menschen geeignet.
Die verbliebenen Leser möchte ich fragen: Sind Freilandkräuter glücklicher als Topfpflanzen? Genauer betrachtet, bietet der handelsübliche Kräutertopf alles andere als viel Platz zur Entfaltung, selbst bei besonders ausgewiesenen Bio-Produkten.

Schmerzen

In der Regel gedeihen Kräuter auf meinem Fensterbrett in der Küche gut. Bislang nahm ich das als Zeichen des Wohlbefindens. Aber vielleicht mache ich mir auch lediglich etwas vor. Nur weil der Schnittlauch nicht laut schreit, kann er trotzdem unter Schmerzen leiden. Schließlich werden seine Halme immer wieder mit der Schere abgeschnitten.

Heavy Metal

Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die nachweisen sollen, dass Pflanzen Schmerzen und Angst empfinden. Eine Studie behauptet sogar, Zimmerpflanzen lieben Mozart und würden bei Heavy Metal am liebsten die Flucht ergreifen. Möglicherweise würde mein Basilikum immer noch vor Kraft strotzen, hätte ich nicht unlängst in seiner Hörweite lauthals "Highway to Hell" gesungen.
Je mehr ich darüber nachdenke: Artgerechte Haltung darf sich keineswegs nur auf Tiere beschränken, sondern muss ebenfalls bei der Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln thematisiert werden.

Veganer

Außerdem möchte ich an dieser Stelle gerne all die Veganer, die sich uns Allesessern moralisch gerne mal überlegen fühlen, darauf hinweisen: Auch ihr esst Lebewesen. Schnittlauch kann nur nicht so niedlich gucken wie ein Lämmchen.
Anne-Marie Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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