Kommunikationspaket
Selbsthilfegruppen stecken im Corona-Dilemma

Hilfe zur Selbsthilfe braucht den persönlichen Kontakt

Ortenau (kec). Auch die 220 Selbsthilfegruppen in der Ortenau leiden unter der Corona-Pandemie. Seit Beginn haben sich die Abläufe in den Selbsthilfegruppen innerhalb kurzer Zeit stark verändert. Als selbstorganisierte Zusammenschlüsse von Menschen, die gleiche Probleme oder Krankheiten haben, leben Selbsthilfegruppen insbesondere vom gemeinsamen Austausch. Hier können die individuellen Fähigkeiten weiterentwickelt werden und sie geben Raum mit der Einschränkung konstruktiv umzugehen und sie zu bewältigen. Doch genau diese persönlichen Treffen sind seit Monaten kaum noch möglich.

Verlagerung auf digitale Kanäle

„Beim ersten Lockdown im März waren Gruppentreffen face-to-face nicht erlaubt“, erinnert sich Héctor Sala von der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen im Landratsamt, der mit Informationen, Beratung und Vermittlung sowohl bei der Gründung hilft als auch bestehende Gruppen unterstützt. „Damals haben wir ein Kommunikationspaket geschnürt und an die Gruppen weiter geleitet.“ In dem Paket waren Alternativen für den Austausch aufgeführt und ihre Anwendung erklärt. Die Gruppen konnten so ihre Treffen auf die digitalen Kanäle verlagern. Per Telefon, Whats-App oder Videokonferenz blieben die Mitglieder in Kontakt. „Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten“, freut sich Sala, „doch auch wenn sie eine sinnvolle Ergänzung sein können, war uns schnell klar, dass die persönliche Begegnung nicht zu ersetzen ist.“ Wenn Gruppentreffen nicht stattfinden, nehmen psychische Beschwerden zu, Suchterkrankten drohen Rückfälle, Einsamkeit und sozialer Isolation drohen. Besonders Gruppen mit Themen wie psychischer Belastung oder Sucht leiden laut dem Experten unter den Corona-Auswirkungen. Der Rückhalt der Teilnehmer und die wichtigen soziale Kontakte brechen ab.

Nach den Lockerungen begannen sich die Selbsthilfegruppen wieder zu treffen: meist draußen, mit begrenzter Teilnehmerzahl und mit Abstand „Mit dem zweiten Lockdown im November hat sich für die Selbsthilfegruppen grundsätzlich nichts geändert, sie dürfen sich weiterhin unter Einhaltung der genannten Hygienevorschriften treffen, da sie zur Aufrechterhaltung der sozialen Fürsorge dienen“, erklärt Sala. Doch viele stecken aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe in einem Dilemma: „Ich brauche den persönlichen Kontakt zu den anderen, zur Gruppe, aber ich habe Angst mich anzustecken.“

Ein weiteres Problem ist, dass bei vielen Gruppenräume aufgrund ihrer Größe die Einhaltung der Abstandsregelung nicht gewährt werden kann. Manche Gruppen haben sich daher für die Übergangszeit corona-konforme Räume gesucht. „Doch in der Tat haben sich auch ein paar Gruppen aufgrund Corona und der damit einhergehenden starken Veränderungen aufgelöst“, bedauert Sala. Auf der anderen Seite kamen bei der Kontaktstelle aber auch vermehrt Anfragen für die Gründung neuer Gruppen an.“ Es gelte, kreativ zu sein und diese Krise auch teilweise als Chance zu betrachten um eventuell neue Dinge zu entdecken.

Auch wenn es in der Ortenau bislang keine Gründung einer Corona-Selbsthilfegruppe gibt – bundesweit tauschen sich inzwischen nicht nur Covid-19-Betroffene, sondern auch Angehörige, Hinterbliebene aber auch Pfleger und Ärzte längst nicht nur allein in den sozialen Medien aus.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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