Julius Georg Luy ist deutscher Botschafter am Europarat

Ein Mann, zwei Aufgaben: Julius Georg Luy ist sowohl Botschafter beim Europarat als auch Generalkonsul in Straßburg.
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  • Foto: Michael Bode
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Seit 2011 ist er der Ständige Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim Europarat in Straßburg. Seit Anfang des Jahres hat er zusätzlich die Aufgaben des Generalkonsuls übernommen – Julius Georg Luy ist ein vielbeschäftigter Mann. „Die Aufgabe macht mir
Spaß, sie ist eine schöne Ergänzung zu dem mehr abstrakten,
multilateralen Geschäft des Europarats.“ Er genießt die Abwechslung.
„Die Arbeit als Generalkonsul ist regional und bilateral. Hier passieren
die Dinge vor Ort. Man sieht, wie wichtig die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist.“

Für den 60-Jährigen ist es das zweite Mal, dass er in Straßburg arbeitet. „Am Anfang meiner Laufbahn war ich als junger Referent beim Europarat“, erzählt der Botschafter. Der gebürtige
Rheinhausener, gemeint ist Duisburg-Rheinhausen, kennt die Region seit
seiner Jugend. „Meine Eltern haben ein Haus im elsässischen Münstertal
und sind später vom Nieder- an den Oberrhein gezogen.“

Luy selbst hat nach seinem Abitur in Duisburg in Köln Jura studiert. Nach
dem Staatsexamen liebäugelte er eigentlich mit einer Karriere bei der
Europäischen Union, doch ein Kommilitone brachte ihn auf die Idee, sich
beim Auswärtigen Amt zu bewerben. „Ich tat das ohne große Hoffnungen“,
sagt Luy, schließlich stammt er nicht aus einer Diplomatenfamilie. Doch
zu seiner Überraschung schaffte er die Eignungsprüfung. „Wir wurden eine
Woche getestet“, erinnert er sich. Dazu gehörten auch Gespräche mit
einem Psychologen. Für den „Concours d‘Entrée“, wie die Eintrittsprüfung
auch genannt wird, lernte er eigens Französisch. „Ich bin eigentlich
Altsprachler“, sagt er lächelnd. Doch Luy kniete sich in die
Fremdsprache mit Zeitungslektüre und Radio auf Französisch. „Den
praktischen Rest lernte ich auf meinen Posten.“

Und das waren einige: Wer den Lebenslauf von Julius Georg Luy anschaut, der blickt auf
ein typisches Diplomatenleben: „Ich habe auf fast jedem Kontinent
gearbeitet“, so Luy. In den vergangenen Jahre aber vor allen Dingen in
Asien. Ein inhaltlicher Schwerpunkt seiner Tätigkeit sind die
Menschenrechte. Sowohl während seiner Zeit als Gesandter in Indien, als
auch als Botschafter in Rangun, Myanmar, stand dieses Thema im Mittelpunkt.

„Die Menschenrechte bilden auch einen der drei Pfeiler meiner Arbeit beim Europarat in Straßburg“, stellt er fest. Die beiden weiteren sind Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. „Wo sonst,
außer im Europarat, kann man zum Beispiel strukturiert mit Russland über
dessen Innenpolitik sprechen“, begeistert er sich für seine Aufgabe.
„Das sind hoch politische, interessante Diskussionen.“ Dazu komme, dass
die 47 Staaten, die dem Europarat angehören, deutlich heterogener sind
als die 27 Staaten der Europäischen Union. Deshalb winkt er nur ab auf
die Frage, ob er nicht lieber weiter die demokratische Entwicklung in
Myanmar weiterverfolgt hätte, als in Straßburg zu arbeiten. „Wir haben
diese Entwicklung damals mit vorbereitet“, sagt er rückblickend. Und
verrät in einem Nebensatz, dass die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi
seine Nachbarin war.

Doch es waren nicht nur berufliche Aussichten („Welche europäischere Stadt als Straßburg gibt es?“), die die elsässische Metropole für ihn interessant machten. „Wir führten in
Asien ein Leben, das dem europäischen nicht gerade entspricht“, sagt der
Botschafter mit Blick auf seine Kinder. „Wir haben bewusst entschieden,
dass wir wieder nach Europa zurück wollen und Straßburg war das Schönste.“

International geht es in seiner Familie zu: Seine Frau ist Rumänin und selbst Diplomatin. „Wir sprechen Französisch miteinander“, erzählt Luy. Mit seinem Sohn unterhielt er sich, da der
internationale Schulen besuchte, meistens in Englisch. Die vierjährige
Tochter plaudert Deutsch und Rumänisch. „Mein Sohn hat in Straßburg
perfekt Deutsch gelernt – dank Kika“, amüsiert er sich. Und sein
Privatleben? „Für Hobbys habe ich keine Zeit, aber da ich mich mit
Themen befasse, die mich Zeit meines Lebens interessieren, belastet mich das wenig.“

Autor: Christina Großheim

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