Wie Fastnachtstraditionen gepflegt werden
Närrisches Brauchtum reicht weit zurück

Die Verbrennung der Strohhexe war und ist ein beeindruckendes Schauspiel.
  • Die Verbrennung der Strohhexe war und ist ein beeindruckendes Schauspiel.
  • Foto: Foto: Hexenzunft Offenburg
  • hochgeladen von Christina Großheim

Gengenbach/Offenburg (gro). Am heutigen Mittwochabend geht die fünfte Jahreszeit in Gengenbach in die heiße Phase. Närrisches Treiben hat in der ehemaligen Reichsstadt eine lange Tradition, wie Zunftmeister Michael Armbruster erklärt: "Die erste Erwähnung geht auf das Jahr 1286 zurück. Aber wir berufen uns auf das Jahr 1499 in unserem Namen." Damals sollen Bürger aus dem Niggelturm den größten Feuerhaken geholt und als Narrenbaum verziert haben. Mit diesem zogen sie durch die Stadt – sehr zum Verdruss der Obrigkeit. Diese schickte den Bott hinterher, der die Narren in den Niggelturm sperren sollte. Doch die Narren brachten sich auf dem Klostergelände in Sicherheit. Die "Stroßefasend" war geboren.

Anfänge im Mittelalter

Um das Jahr 1500 muss auch die 2009 gefundene Schalkskachel gebrannt worden sein. Auf ihr wie auf einem Relief am Niggelturm findet sich eine der wichtigsten Figuren des Gengenbacher Brauchtums. Denn unabhängig davon, ob die Zeit vom 6. Januar bis Aschermittwoch kurz oder lang ist, in Gengenbach wird immer dreieinhalb Wochen Fasend, wie es hier heißt, gefeiert. Denn dann wird der Schalk, der im Niggelturm schläft, von den Hemdglunkern geweckt. Eine der ältesten Fastnachtsfiguren findet sich ebenfalls in Gengenbach: Der Lumpehund, dessen Häs ein mit Stroh ausgestopftes Hemd und Hosen sind, erinnert daran, dass die Landbevölkerung kein Geld für aufwändige Kostüme hatte und sich mit dem behalf, was zur Hand war.

Außer in Gengenbach gibt es nur drei Städte, in denen "gekleppert" wird: Haslach, Waldkirch und Radolfzell. Erstmals erwähnt wurde das Hantieren mit Holzklappern im Jahr 1858: Damals zog vor dem Dienstagsumzug die Klepperlesgarde vorweg. "Sie waren wohl die Taktgeber fürs Maschieren", beschreibt Armbruster den Brauch. Das närrische Treiben endet am Fastnachtsdienstag, wenn der Schalk wieder in den Niggelturm gesperrt wird.

Schnurren und Schnaigen

In Gengenbach, aber auch in Offenburg gehört der Fastnachtssamstag dem Schnurren und Schnaigen. Dabei gehen Narren in die Gaststätten, erzählen Geschichten und werden zum Lohn dafür freigehalten. In Offenburg war die Tradition fast eingeschlafen, die Hexenzunft hat sie mit der Neuorganisation des Kappeobends wieder zum Leben erweckt. "Es fehlten einfach die entsprechenden Lokale", stellt Stefan Konprecht, Pressesprecher der Hexenzunft, fest. Seitdem in den Offenburger Kellern gefeiert wird, lebt auch das Schnurren und Schnaigen wieder auf. Wer Offenburg hört, der denkt an die Fastnachtstaufe am Narrenbrunnen am Schmutzigen Donnerstag. Beide Stadtzünfte pflegen diese Tradition und holen einen "Fasentskrampen" aus dem Brunnen. "Unser Fastnachtskind wächst bis zum Dienstag zur Strohhexe, die zum Abschluss der närrischen Zeit verbrannt wird", erklärt Konprecht – 1938 wurde diese Offenburger Tradition erstmals gezeigt, heute ist die Strohexenverbrennung mit den waghalsigen Sprüngen der Hexen durchs Feuer einzigartig in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht.

Eine alte Tradition, die nun ebenfalls wieder im Oberzentrum gepflegt wird, ist das Gizig-Rufen der Kinder. Am Rosenmontag erschallt in den Geschäften der Innenstadt "Gizig, gizig ist die Hex'". Der Lohn sind Süßigkeiten. "Es machen immer mehr Geschäfte mit", freut sich Konprecht auf die positive Resonanz.

Hexenfraß

Der erste Hexenfraß am Fastnachtsdienstag ging 1947 über die Bühne. Kurz nach dem Krieg galt eine Rechtsverordnung, die das Verteilen von Lebensmitteln auf der Straße untersagte. Die Hexen ließen Wecken und Schwarzwürste kurzerhand an Angeln aus den Fenstern der angrenzenden Häuser am Nepomukbrunnen.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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