Im Gespräch mit Andreas Jakob
Häufigster Tumor ist der Magen-Darm-Krebs

Andreas Jakob ist Leiter des Onkologischen Zentrums Ortenau und Chefarzt der Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am Ortenau-Klinikum in Offenburg. Das Zentrum bietet unter dem Motto „Leben –Krebs – Leben“ alljährlich eine Veranstaltungsreihe zu diesem Thema. Dazu ein Gespräch mit Jakob, der im Herbst in eine Schweizer Klinik wechseln wird.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht in ihrem Bericht aus dem Jahr 2014 davon aus, dass die Zahl der Krebserkrankungen in den nächsten Jahrzehnten sprunghaft steigern wird. Welche Gründe gibt es Ihrer Meinung nach dafür?
Da Krebserkrankungen vor allem bei älteren Menschen auftreten, nimmt aufgrund der Überalterung der Bevölkerung die Zahl der Patienten stetig zu. In Deutschland erwarten wir 2017 über 500.000 Neuerkrankungen. Hinzu kommt, dass durch die neuen Behandlungsmöglichkeiten Patienten mit Krebserkrankungen länger leben als früher.

Im Jahr 2015 wurden in der Ortenau 2.625 Krebs-Neuerkrankungen erfasst. Sind diese Zahlen stabil?
Die Zahlen von 2016 sind noch nicht ganz vollständig. Bislang zeichnet sich in der Ortenau jedoch keine wesentliche Steigerung ab. Der häufigste Tumor, wenn man beide Geschlechter zusammennimmt, ist in der Ortenau der Magen-Darm-Krebs.

Welche Rolle spielen Ernährung und Sport?

Beides ist in der Krebsvorsorge sehr wichtig. Wir wissen, dass Fehlernährungen und Mangel an Bewegung mit Übergewicht wichtige Risikofaktoren für die Entstehung einer Krebserkrankung darstellen. Das höchste Risiko geht nach wie vor vom Nikotinkonsum aus, der unbedingt vermieden werden sollte. Inzwischen hat der Lungenkrebs bei Frauen den Brustkrebs als Haupttodesursache bei den Krebserkrankungen überholt.

Während früher mehrheitlich stationär behandelt wurde, wird heute eher ambulant behandelt. Hat sich das bewährt?

Durch moderne Therapiekonzepte, neue Medikamente und bessere Begleittherapien kann vielen Patienten die stationäre Aufnahme erspart werden. Dies führt zu einer besseren Lebensqualität und geringeren Beeinträchtigung der Patienten. Wichtig ist eine gute ambulant/stationäre Vernetzung wie sie in der Ortenau vorbildhaft realisiert wurde.

Welche Rolle können Selbsthilfegruppen spielen?
Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Versorgungskonzeptes von Krebspatienten geworden. Sie sind eine wichtige Stütze der Patienten und deren Angehörige und eine Quelle für viele Informationen. Das Programm von „Leben Krebs Leben“ wurde durch die Selbsthilfegruppen wesentlich mitgestaltet.

Wie sieht es mit der palliativen Versorgung aus?

Wir haben eine Palliativstation in der St. Josefsklinik, die Ende 2016 von der Europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie ausgezeichnet wurde, und im ambulanten Bereich hat sich ein Netzwerk von Palliativmedizinern und Brückenpflegekräften etabliert, das in Zusammenarbeit mit den Hausärzten eine hervorragende ambulante Versorgung der schwerkranken Patienten auch zu Hause gewährleistet. Andreas Jakob Andreas Jakob

Autor:

Stefan Schartel aus Offenburg

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