Angedacht: Simon Schilling
Jubiläen, Vergebung und ein Neuanfang

Simon Schilling

Seit 70 Jahren haben wir unser Grundgesetz. Vor 50 Jahren betraten Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond. Vor 30 Jahren jubelten hunderte DDR-Bürger in der Deutschen Botschaft in Prag über ihre Ausreiseerlaubnis. Und im Jahr 2019 sind das nur drei exemplarische Jahrestage.

Ihr Begleiter durch die Woche

Viele weitere finden Sie in Ihrem Kalender, auf andere werden Sie in den Medien hingewiesen. Hinzu kommen noch runde Geburtstage im Familien- und Freundeskreis, Firmenzugehörigkeiten über 20, 30 oder 40 Jahre und andere Jubiläen. Jahrestage und Jubiläen erinnern uns an wichtige Ereignisse und Errungenschaften. Aber sind diese besonderen Tage lediglich Anlass, um in die Vergangenheit zu blicken?

Biblisches Jobeljahr

Das biblische Jobeljahr, auf das unser Jubiläumsbegriff zurückgeht, wurde alle 50 Jahre gefeiert. Und mit diesem Jobeljahr fiel der gesamte in Not verpfändete oder verkaufte Bodenbesitz an den ursprünglichen Eigner zurück. Ebenso wurden Schuldsklaven entlassen. Jobeljahre waren Erlass- und Befreiungsjahre.

Es wäre wohl zu kühn, nun zu überlegen, wie so ein Jobeljahr für die knapp 600 Gefangenen im Offenburger Gefängnis ausschauen könnte. Immerhin wurde das neue Großgefängnis am Offenburger Flugplatz vor ziemlich genau zehn Jahren eröffnet. Aber die Frage nach dem Recht auf einen Neuanfang nach der verbüßten Strafe könnte im Rahmen dieses „Jubiläums“ schon gestellt werden…

Und wenn Ihnen die Gefängniswelt zu fremd ist, können Sie auch etwas weiter fragen: Was muss passieren, damit in meinem Umfeld Kollegen, Freunde und Partner wieder von Neuem anfangen dürfen und nicht ewig auf alte Fehlleistungen festgenagelt werden?

Angesichts so großer Fragen mag es nur eine Randnotiz sein, dass in manchen Kalendern der heutige 7. Juli als Tag der Vergebung verzeichnet ist. Der Tag soll einladen zu vergeben, Dinge richtig zu stellen, Differenzen zu vergessen. Denn Studien zufolge leben Menschen, die vergeben können, glücklicher.

Wenn das nur immer so einfach wäre...

Simon Schilling, Pastoralreferent und Gefängnisseelsorger

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