Winfried Lieber auf Delegationsreise
Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Transformation

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und Hochschulrektor Winfried Lieber während der USA-Kanada-Reise
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Offenburg (st). Können wir da mithalten? Als Teilnehmer der baden-württembergischen Delegationsreise im September in die USA und nach Kanada unter Leitung von Ministerpräsident Kretschmann brachte Hochschulrektor Winfried Lieber aufschlussreiche Eindrücke mit nach Hause. Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Transformation waren die wichtigsten Themen. Die Hochschule Offenburg sieht er gut aufgestellt.

Gemeinsam mit der Leiterin der Wissenschaftsdelegation, Ministerin Theresia Bauer, nahm Winfried Lieber, Rektor der Hochschule Offenburg, an zahlreichen Gesprächen mit Vertretern aus Wissenschaft und Politik teil. Die Nordamerikareise des Ministerpräsidenten führte unter anderem in den US-Bundesstaat Kalifornien, ins Silicon Valley sowie in die kanadische Provinz Ontario.
Vier Minister, zwei Staatssekretäre, Landtagsabgeordnete sowie Repräsentanten von Hochschulen und Verbänden und Industrievertreter begleiteten den Ministerpräsidenten.

Digitalisierung und Transformation

Die wichtigsten Themen waren die Auswirkungen von Digitalisierung und Transformation auf Wirtschaft und Wissenschaft. Erklärtes Ziel der Reise war es außerdem, den transatlantischen Dialog zwischen Baden-Württemberg und dem technologisch starken Kalifornien und Ontario zu stärken.

Als Mitglied der Wissenschaftsdelegation tauschte sich Rektor Lieber im Silicon Valley mit Wissenschaftlern und Forschern aus Unternehmen zu den Schwerpunktthemen Mobilität, Energie und Klimaschutz, Künstliche Intelligenz sowie Industrie 4.0. aus. Sein Fazit: Eine beeindruckende Innovationskraft, „von der wir lernen können“ – allerdings sieht der Rektor auch Schwachpunkte, etwa beim Thema produktionsnahe Wertschöpfung, wo hiesige Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Zukunft durchaus punkten könnten.

„Bei vielen Gesprächen in der California State University und der Stanford University wurde deutlich, dass der Bundesstaat Kalifornien unbeeindruckt von Trump`schen ‘Bremsversuchen‘ größte Anstrengungen unternimmt, um das Land bei der Entwicklung nachhaltiger Energietechniken weiter nach vorn zu bringen“, berichtet Rektor Lieber.


Fünf Millionen Elektroautos

So sollen in dem US-Bundesstaat bis 2030 fünf Millionen Elektroautos auf die Straße gebracht werden und bis 2050 solle die Energiewende mit 100 Prozent nachhaltiger Energie realisiert werden. „Das ist ehrgeizig, aber nicht unrealistisch“, so Liebers Einschätzung. Bereits heute seien fünf Prozent aller verkauften Fahrzeuge im Golden State Kalifornien Elektrofahrzeuge.
Die Kreativität und das „viel beschworene Silicon-Valley-Mindset“ habe er als „ungebremst“ wahrgenommen, sagt Lieber. Die Anziehungskraft des Gründergeistes in Kalifornien sei weltweit vermutlich ebenso einmalig wie die Ansammlung von mehreren hundert Venture-Capital-Gesellschaften auf engstem Raum, das erfahrene VC-System des Landes gibt vielversprechenden Unternehmen die Chance, sich schnell zu entwickeln und eine verbesserte Rendite zu realisieren. Es stünden hohe Summen für Neuentwicklungen bereit. „Daher geben sich im Silicon Valley unverändert Technologie-Pioniere aus der ganzen Welt die Klinke in die Hand.“ Der Fokus liege weiterhin auf der Informationstechnik, denn die Sammlung, Speicherung und Verarbeitung großer Datenmengen wird grundsätzlich als Schlüssel der digitalen Transformation gesehen und entsprechend hoch sei der Einsatz an Mitteln, um diese Bereiche voranzubringen.

Man dürfe das „alles auch nicht überschätzen“, betont Lieber. Sicherlich sei es unter solchen Bedingungen kaum verwunderlich, dass sich die Megathemen künstliche Intelligenz oder autonome Fahrzeuge dort ausgesprochen schnell entwickeln. Die Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz seien „durchaus beeindruckend“, bilanziert Lieber, der angesichts des kalifornischen Tempos bei Forschung und Entwicklung einen Mentalitätswandel in Deutschland einfordert:
„Man kann zu den Datensammlern von Google und Co. stehen, wie man will, aber gerade von der Mentalität des Open Innovation können wir noch einiges lernen. Dass 50 Prozent der deutschen Hochschulabsolventen laut einer jüngeren Studie den Weg in den öffentlichen Dienst anstreben, macht die Dringlichkeit klar, einiges von der Geisteshaltung der Silicon-Valley-Gründer stärker als bisher an unsere Alumni weiterzugeben.“


Autonomes Fahren

Sicherheitsdenken stünde auch etwa im Bereich autonomes Fahren dem technologischen Fortschritt oft im Weg: „Während wir hier noch darüber, ob selbstfahrende Elektroautos unsere Mobilität verändern und die Automobilindustrie gefährden, gehören selbstfahrende Autos inzwischen zum Alltag in Kalifornien. Der Google-Ableger Waymo wird bald 82 000 Fahrzeuge auf die Straßen bringen. Deren ‘Roboterautos‘ lernen mit jedem gefahrenen Kilometer und wir verzetteln uns noch viel zu oft in Risikoabwägungen.“

„In diesem Sinne können wir durchaus vom Weltmeister der Innovation lernen“, plädiert Lieber: Aber es müsse darum gehen, die daraus gewonnenen Erkenntnisse „auf der Grundlage unseres gesellschaftlichen Selbstverständnis mit unseren Stärken zu verbinden.“ Denn auch im Silicon Valley sei nicht alles Gold, was glänzt: „Die omnipräsente Zentrierung und Einengung von Innovationen in erster Linie auf Softwarelösungen sehe ich als deutlichen Schwachpunkt. Die produktionsnahe Wertschöpfung unserer mittelständischen Unternehmen könnte sich in dieser Hinsicht als wichtiger Wettbewerbsfaktor erweisen“, so Lieber. Entscheidend sei es, beide Stärken erfolgreich zu verzahnen. „Es geht dabei um die konsequente Nutzung der großen Potenziale digitaler Technologien und den passgenauen Einsatz von KI in den Hightech-Produkten unserer Unternehmen bis hin zu den dadurch möglichen neuen Geschäftsmodellen.“

„Diesbezüglich hat sich die Reise mehr als gelohnt“, resümiert Lieber: „Auch wenn alle Schwerpunktthemen der Delegation bereits heute strategische Schlüsselbereiche unserer Hochschule sind, in denen wir überaus erfolgreich agieren, so hat der Erfahrungsaustausch mit wichtigen Akteuren vor Ort viele neue Impulse und Ideen gebracht.“

Zentrale Aufgabe der Hochschule für die Zukunft sei es, Unternehmen gezielt beim Zugang zu all diesen digitalen Technologien zu unterstützen: „Da sind wir schon hervorragend aufgestellt, können dies aber durch noch passgenauere Anstrengungen in der studentischen Ausbildung bis hin zum Technologietransfer weiter stärken.“ Dazu gehöre auch die intensive Vernetzung mit den Partnern in Übersee: „Die in Kalifornien und Ontario besuchten Universitäten bieten unseren Studierenden attraktive Auslandsaufenthalte“, sagt Lieber. Auch Professorinnen und Professoren der Hochschule würden dort interessante Möglichkeiten vorfinden etwa ein Forschungssemester zu absolvieren oder transatlantische Projekte zu forcieren.

Gut aufgestellt

„Im Prinzip sind wir sehr gut aufgestellt, um den künftigen Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen“, sagt Lieber: Die Hochschule Offenburg sei bereits ein wichtiger regionaler Ausbildungs- und Innovationsgeber. Künstliche Intelligenz und Digitalisierung nehme eine zentrale Position ein und mit dem Regionalen Innovationszentrum werde die Kompetenz in diesem Bereich noch weiter ausgebaut. „Aber wir müssen einen Gang zulegen“, fordert er.

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