Porträt
Maja Reusch ist Erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenburg
- Maja Reusch steht heute an der Spitze der IG Metall Offenburg. Als Arbeitnehmerin hatte die Diplom-Sozialwirtin früh erkannt, was Gewerkschaften bewirken können – und begann sich deshalb selbst zu engagieren.
- Foto: Michael Bode
- hochgeladen von Anne-Marie Glaser
Offenburg (ag) Als Maja Reusch ihr Studium in Göttingen begann, hätte sie nie gedacht, später einmal als Erste Bevollmächtigte und Kassiererin der IG Metall Offenburg zu arbeiten. Eigentlich machte sie sich damals noch gar keine Gedanken darüber, in welchen Job das Studium führen könnte. Es war das Fach an sich, das sie reizte: "Mich interessierte, wie Macht entsteht, Politik und Wirtschaft zusammenhängen und sich das auf die Gesellschaft auswirkt." Deshalb entschied sie sich für den Diplom-Studiengang Sozialwissenschaften.
Der Lockruf der großen weiten Welt
Vor allem wollte die Tochter einer Lehrerin und eines Arztes aber das kleine Neubulach hinter sich lassen und in die große weite Welt hinaus ziehen. Na ja, nicht ganz so groß und weit weg wie Berlin – dazu fehlte dann doch der Mut, wie Maja Reusch lachend gesteht. Aber auch der Alltag im 450 Kilometer entfernten Göttingen hatte seine Herausforderungen. "Es war gar nicht so einfach, die schmutzige Wäsche mit dem Fahrrad zum Waschsalon zu transportieren", erinnert sich die 41-Jährige mit einem Schmunzeln. "Das Zimmer in der Sechser-WG war höher als breit und der Erste hatte zum Duschen noch warmes Wasser, der Letzte nicht mehr." Doch das Studium machte ihr Spaß und sie fand schnell Anschluss. Wie viele Studenten jobbte sie nebenher – einmal in der Personalabteilung einer Putenschlachterei und auch als Kellnerin. Am Ende des Studiums und noch danach arbeitete sie für einen SPD-Abgeordneten, der zuvor Geschäftsführer bei der IG Bau war: "Über ihn bin ich zu Verdi gekommen, denn er sagte, jeder müsse in einer Gewerkschaft sein."
"Nach dem Studium dachte ich, die Welt steht mir offen", so die Diplom-Sozialwirtin, die sogar ein Auslandssemester in der Bretagne vorweisen kann. Von wegen, in der Wirtschaftskrise 2009 musste man froh sein, überhaupt Arbeit zu haben. Maja Reusch erinnert sich noch gut an die Angst, die sie damals vor ihrem tyrannischen Chef hatte, der sie nach der Probezeit des Geldes wegen nicht übernehmen wollte: "Diese Erfahrung war prägend." Die Gewerkschaft half ihr, wenigstens den ausstehenden Lohn zu bekommen. Trotzdem war sie erst einmal arbeitslos. Eine Zeitarbeitsfirma vermittelte sie als Sekretärin, später arbeitete Reusch in einem Unternehmen als Assistentin der Geschäftsleitung. Das war tarifgebunden und hatte einen Betriebsrat: "Das war toll. Deshalb fand ich es richtig, mich in der Gewerkschaft einzubringen."
Aber Maja Reusch wollte sich auch weiterentwickeln. Die Chance kam, als die IG Metall in Heidenheim eine Gewerkschaftssekretärin mit dem Schwerpunkt Frauen und Jugend suchte: "Das hatte nichts mit Sekretariat zu tun. Es ging unter anderem um Rechtsberatung und das Verhandeln von Tarifverträgen." Im Herbst 2020 folgte die Stelle in Offenburg – zunächst als Zweite Bevollmächtigte, seit 2022 als Erste.
Das Ehepaar zieht an einem Strang
Maja Reusch liebt ihre Arbeit und sie liebt ihre Familie. Deshalb ist es ihr wichtig, beides miteinander vereinbaren zu können. Das funktioniert, weil Ehemann Sany und sie an einem Strang ziehen und sich beide um die Kinder kümmern, die acht und zehn Jahre alt sind. Er ist Ingenieur und kann gut im Homeoffice arbeiten. Die Familie fühlt sich pudelwohl in Elgersweier, erkundet die Region bei Ausflügen, Maja Reusch singt im Chor. Und wie die Diplom-Sozialwirtin inzwischen weiß, hat sie genau das Richtige für ihre jetzige Aufgabe studiert.
Maja Reuschs Favoriten
Lieder im Chor
"Jemand muss da sein" von Alexandra Kleiser
"Skyfall" von Adele
"Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels" von Andrew Lloyd Webber
Ausflugsziele
Ortenberger Schloss zum hohen Horn
Räuber-Hotzenplotz-Pfad in Gengenbach
Taubergießen






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