Wolfgang Wurz: Auf dem Rennrad zur Völkerverständigung
Mit fast 75 Jahren noch immer fest im Sattel

Auch mit fast 75 Jahren fährt Wolfgang Wurz jährlich zwischen 6.000 und 8.000 Kilometer.
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OG-Zell-Weierbach (mak). Zu seinem 75. Geburtstag am 6. Juni hat Wolfgang Wurz eigentlich nichts Großes geplant. Dabei hätte er allen Grund, sich feiern zu lassen. Denn Wolfgang Wurz ist nicht nur ein sehr erfolgreicher Amateur-Radrennfahrer gewesen, sondern er wurde auch zum Botschafter der Völkerverständigung zwischen seiner Heimatstadt Offenburg und dem italienischen Pietra Ligure, deren Partnerschaft er maßgeblich vorantrieb.

Fast 60 Jahre auf dem Rad

Angefangen hat alles im Alter von 16 Jahren, als er erstmals ein Radrennen in Offenburg besuchte. Das war 1960. Seitdem ist er fasziniert von dem Sport, dem er sich in den folgenden fast 60 Jahren mit voller Hingabe widmet, auf und neben der Strecke. Wenn Wolfgang Wurz von dieser Zeit erzählt, ist er in seinem Element. Dann beginnen seine Augen zu leuchten. Er erzählt gerne von damals. 1962 trat er dem RSV Offenburg bei, für den er bis 1968 fuhr. Dann wechselte zum RMV Langhurst, wo er zudem 30 Jahre lang im Vorstand aktiv war. Seinen Vereinen hält er bis heute die Treue, neben dem RMV Langhurst auch der RSG Fessenbach und dem PSV Offenburg.

Italien wird zur zweiten Heimat

Das Jahr 1967 sollte ein ganz entscheidendes Jahr für Wolfgang Wurz werden. Zusammen mit dem damaligen Bundestrainer Gustav Kilian reist er nach Pietra Ligure ins Trainingslager. „Ein ganz besonderer Moment war natürlich die Trainingsfahrt mit Rudi Altig“, schwärmt Wurz. Die regelmäßigen Fahrten in die italienische Partnerstadt hält er bis heute bei. „Ich fahre zweimal pro Jahr nach Pietra Ligure. Einmal in Urlaub und dann in Sachen Radsport“, erzählt er stolz. Denn bis heute organisiert er für Amateur-Radsportlager Trainingslager an der ligurischen Mittelmeerküste. Rund 2.000 Fahrer aus der Region kamen bereits in diesen Genuss.

Botschafter der Völkerverständigung

Dem Ort ist er bis heute treu geblieben und unter seiner maßgeblichen Mithilfe wurde Pietra Ligure 2007 Partnerstadt Offenburgs. Und sein Einsatz für die Städtepartnerschaft wird geschätzt. „Im Jahr 2014 bekam ich vom Pietra Ligures damaligen Bürgermeister Luigi De Vincenzi eine Urkunde für die Verdienste für 45 Jahre Völkerverständigung überreicht“, erzählt er. Auch mit dem Tourismus-Chef der italienischen Partnerstadt, Silvano Ferrua, verbindet ihn eine innige Freundschaft.

Mit den großen Legenden gefahren

Mit der Akribie, mit der er sich für seine zweite Heimat einsetzt, betrieb er auch seinen Sport. Insgesamt 18 Jahre fährt Wolfgang Wurz Rennen, etwa 40 pro Jahr absolvierte er als Elitefahrer im Amateurbereich. Und seine Leistungen blieben nicht unentdeckt. 1970 klopfte die Fiat-Werksmannschaft bei ihm an – im Gepäck ein Angebot, dort als Radprofi zu fahren. Lange überlegen musste Wurz nicht. Er entschied sich für seinen Beruf als Kommunikationstechniker bei Siemens. „Das war mir ganz wichtig, nicht abhängig vom Sport zu sein.“ Bereut hat er diesen Schritt nie, denn seine aktive Karriere ist mit etlichen Höhepunkten gespickt. 1974 durfte er mit dem späteren Weltmeister und der italienischen Radsportlegende Francesco Moser eine Trainingseinheit absolvieren. „Bei einem Frühjahrsklassiker von Monaco nach Alassio stand ich direkt neben der Fürstin Gracia Patricia, die das Rennen freigab“, schwärmt er.

Chef des Teams Offenburg

Aber nicht nur auf dem Rad feiert Wurz Erfolge. Er war Gründungsmitglied und Teamchef des Teams Offenburg. „Bei der Deutschland-Tour konnten wir zwei Gesamtsiege in der Einzelwertung herausfahren und zwei dritte Plätze in der Mannschaftswertung“, erzählt er stolz. Für sein Verdienste für den Radsport hat er so ziemlich jede Auszeichnung und Ehrung bekommen, die es gibt – auch vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR), für den er seit mehr als 40 Jahren als Radrenn-Commissaire tätig ist.

Titanic im Winter

Ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht. „Ich fahre immer noch zwischen 6.000 und 8.000 Kilometer im Jahr. Ich konnte mich immer gut motivieren“, erzählt er. In den dunklen Wintermonaten hat er für sich aber ein weiteres Hobby entdeckt. Der Mythos des 1912 gesunkenen Kreuzfahrtschiffes Titanic hat es ihm angetan. „In sieben Wintern habe ich das Modell der Titanic im Maßstab 1:250 gebaut“, so der fast 75-Jährige. Für dieses Thema interessiert er sich fast so stark wie für seine große Liebe – den Radsport.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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