Haki Morina machte in Griesheim seine Bäcker-Ausbildung
Verstärkt über den Tellerrand schauen

Haki Morina hat seine Ausbildung in der Bäckerei von Werner Maier (links) in Griesheim abgeschlossen. Der Bäckermeister freut sich über die tatkräftige Unterstützung seines neuen Gesellen 
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Offenburg (an). Das Bäckerhandwerk sucht händeringend nach Auszubildenden. Haki Morina steht voller Begeisterung jede Nacht in der Backstube, seine Zwischenprüfung hat er mit 3,0 abgelegt und seine Gesellenprüfung sogar mit der Note 2,6 und sein Chef, Bäckermeister Werner Maier, ist sehr mit ihm zufrieden. Der junge Mann war am Anfang seiner Ausbildung nur in Deutschland geduldet und musste immer wieder die Abschiebung fürchten.
Diesen Nervenkrieg hat der jetzt 21-jährige Kosovo-Albaner mit der Unterstützung seines Lehrmeisters glücklicherweise durchgehalten und inzwischen endlich einen Aufenthaltstitel erhalten.
„Für mich war und ist Haki ein Glückgriff“, betont der Griesheimer Bäckermeister. Der junge Mann war während seines Praktikums von Anfang an von der Arbeit in der Backstube begeistert und schnell war ihm klar, dass das sein Beruf werden soll. Zu Beginn der Ausbildung lebte er noch in der Flüchtlingsunterkunft in Bohlsbach. "Ein unhaltbarer Zustand bei den Arbeitszeiten von 2 Uhr in der Nacht bis 11 Uhr am Morgen", erklärt Bäckermeister Werner Maier in einem Gespräch. In der Unterkunft war tagsüber nicht an Schlaf zu denken. Maier holte den jungen Mann nach Griesheim, in ein Haus, wo Zimmer an Studenten vermietet sind. Der Bäckerazubi fühlte sich dort sehr wohl – die Integration begann.
Ganz wichtig dabei ist, das betont Werner Maier, das Erlernen der deutschen Sprache. Und dazu gehöre mehr als nur ein Sprachkurs. Haki Morina stimmt dem zu. In ordentlichem Deutsch macht er klar, dass bei einer Ausbildung spätestens mit dem theoretischen Teil der Zwischenprüfung, sich die ersten großen Hürden hinsichtlich der Sprachkenntnisse auftun. Auch wenn beispielsweise an den beruflichen Schulen Kehl im Vollzeitunterricht ein Vorbereitungsjahr Arbeit/Beruf – ohne Deutschkenntnisse angeboten werde, reiche das nicht aus, so Bäckermeister Werner Maier und ergänzt: „Sinnvoller wäre es, diese Zeit dahingehend zu nutzen und die jungen Menschen an einem Tag in der Woche in Betriebe zu schicken, wo sie einen Einblick in die Berufswelt bekommen und im alltäglichen Sprachgebrauch gefordert werden.“
Haki Morina hat es geschafft und arbeitet jetzt als Geselle in der Griesheimer Bäckerei. Als nächstes steht der Führerschein auf seiner „To-do-Liste“ und auch ein paar Gedanken über seine berufliche Zukunft hat sich der Kosovo-Albaner bereits gemacht. „Jetzt will ich erst mehr Erfahrungen sammeln und noch besser werden. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, in naher Zukunft den Bäckermeister zu machen“, erklärt der junge Mann.
Sieben Mitarbeiter und einen Azubi beschäftigt Werner Maier in seiner Backstube in Griesheim. „Es ist nicht einfach, fachlich gut qualifizierte Mitarbeiter oder Auszubildende für das Bäckerhandwerk zu finden.
Man müsste schon in der Ausbildung neue Wege gehen, betont Werner Maier. So mache es aus seiner Sicht keinen Sinn, Berufsschulstandorte aufgrund schwacher Schülerzahlen mit Standorten, die mit teils erheblichen Anfahrstrecken verbunden sind, zusammenzulegen. Aus seiner Sicht bedeutet die lange Fahrtzeit den „Tod des Azubis!“ Auch bei der Ausbildung selbst, so seine Vision, sollte man durchaus einmal neue Wege gehen. 
Der Griesheimer Bäckermeister könnte sich beispielsweise vorstellen, die starren drei Ausbildungsjahre in sechs Ausbildungsstufen umzuwandeln. Dabei sei der Abschluss der Stufe sechs, das Erreichen des Gesellentitels nicht zwingend notwendig. Höre ein junger Mensch, warum auch immer, nach Stufe zwei schon auf, könne er als Bäckereihelfer eingestellt werden und Geld verdienen. Denn wie der Bäckermeister betont: „Wir brauchen im Handwerk nicht nur Häuptlinge.“  Aktuelle Notiz Nach einer aktuellen Meldung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wurden in Berlin die Eckpunkte zur Fachkräfteeinwanderung aus Drittstaaten vorgestellt. Fünf Hauptpunkte wurden vereinbart:
• die Fachkräfteeinwanderung bedarfsgerecht steuern und stärken, • schnelle und einfache Anerkennungsverfahren, • Strategie für eine gezielte Fachkräftegewinnung und ein verbessertes Marketing gemeinsam mit der Wirtschaft,  • Erwerb der deutschen Sprache stärken • schnellere und effizientere Verfahren.

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