Fußnote, die Glosse im Guller
Von Blinkern und Phobien

Tatort Kreisverkehr Achern beim "Scheck-in Center": Der Rückstau der stadtauswärts fahrenden Autos reicht schon bis zur Aral-Tankstelle. Was ist der Grund? Viele Verkehrsteilnehmer verlassen den Kreisel in Richtung Innenstadt, da können sich die von dort Kommenden doch schnell einfädeln. Könnten sie theoretisch tatsächlich, würden sie wissen, was die anderen vorhaben. Autohersteller haben dafür den Blinker erschaffen. Die Straßenverkehrs-Ordnung schreibt die Nutzung desselben sogar vor. Das wissen acht von zehn Führerscheininhaber aber offensichtlich nicht.

Tatort Okenstraße in Offenburg

Tatort Okenstraße in Offenburg kurz vor der Abzweigung Philipp-Reis-Straße: Reger Verkehr auf beiden Spuren der Einbahnstraße. Plötzlich schert rechts ein Auto aus und schneidet den Verkehrsteilnehmer auf der linken Fahrbahn. Der erschreckt, bremst heftig und fast fährt ihm der Hintermann auf. Dabei war die Drängelei völlig unnötig. Wer blinkt, wird oft von gutwilligen Verkehrsteilnehmer vorgelassen. Woher ich das weiß? Das sind die Erfahrungswerte einer bekennenden Blinkerin, die zudem selbst gutwillig ist.

Müdigkeitsassistent

Ich kenne Menschen, die damit angeben, dass ihr Auto über "Active Body Control" oder einen "Müdigkeitsassistenten" verfügt. Blinker scheinen dagegen zu fehlen. Jedenfalls werden sie nicht benutzt.

Kognitive Fähigkeiten

Es gibt Leute, die können keine Spülmaschine öffnen, weshalb sie schmutziges Geschirr auf dieser einfach nur abstellen. Andere schaffen es zwar Klodeckel hochzuklappen, wie man ihn wieder runter bekommt, bleibt ihnen auf ewig verschlossen. Ähnlich verhält es sich mit der Betätigung von Blinkern. Dabei erfordert es weder besonders anspruchsvolle motorische noch kognitive Fähigkeiten.

Küchenpsychologie

Als Trägerin des Ehrendoktorhuts in Küchenpsychologie habe ich mir schon viele Gedanken darüber gemacht, welche Ursachen so eine Blinker-Phobie wohl haben könnte. Möglicherweise ist sie ja auf eine Verletzung des Urvertrauens während des dritten Wachstumsschubs in der zwölften Lebenswoche zurückzuführen, die zu zwanghaftem Nasenbohren führte – mit fatalen Folgen später für die Sicherheit im Straßenverkehr. Wegen der geringen gesellschaftlichen Akzeptanz von Nasenbohrern beherrscht diese die unbewusste Angst, den Zeigefinger in der Öffentlichkeit überhaupt zu benutzen – und sei es auch nur zum Blinken. Der Erklärungsversuch ist bescheuert? Das sind Nichtblinker auch.
Anne-Marie Glaser

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