Podiumsdiskussion zu Motorradlärm
Es soll leiser gefahren werden

Die Lärmdisplays in Sasbachwalden sensibilisieren die Biker, sagt Bürgermeisterin Sonja Schuchter.
  • Die Lärmdisplays in Sasbachwalden sensibilisieren die Biker, sagt Bürgermeisterin Sonja Schuchter.
  • Foto: Archivfoto: kec
  • hochgeladen von Matthias Kerber

Ortenau (mak). Motorradlärm sorgt besonders an landschaftlich reizvollen und kurvigen Strecken bei Anwohnern für Belastungen. Zu dieser Problematik trafen sich jetzt Winfried Hermann, Minister für Verkehr Baden-Württemberg, Thomas Marwein, Lärmschutzbeauftragter der Landesregierung Baden-Württemberg, Professor Claudia Hornberg, Universität Bielefeld, Vorsitzende des Sachverständigenrates für Umweltfragen, Sonja Schuchter, Bürgermeisterin von Sasbachwalden und kommunale Sprecherin der „Initiative Motorradlärm“, Michael Pfeiffer, Chefredakteur der Zeitschrift Motorrad, und Emil Nefzger, Spiegel-Redakteur im Bereich Mobilität, zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Es geht auch leiser – Herausforderung Motoradlärm“.

Leiser fahren

„Was für die einen schön ist, ist für die anderen eine Plage“, machte Minister Hermann den Grundkonflikt deutlich. Er betonte aber auch, dass das Motoradfahren an bestimmten Hotspots nicht verboten werden solle, sondern es gehe vielmehr darum, leiser zu fahren. Wer illegal am Sounddesign seiner Maschine manipuliere, müsse so bestraft werden, „dass es auch wehtut.“ Er sehe vor allem den Bund in der Pflicht, die Lärmgrenzwerte herabzusetzen.

Ausgleich finden

Ein Bild aus der Praxis lieferte Sasbachwaldens Bürgermeisterin Sonja Schuchter. „Wir haben viele Feriengäste, die extra wegen der Ruhe zu uns kommen“, erklärte sie. Einige wenige Rowdies auf den Straßen würden die Idylle zunichtemachen. Sie betonte aber auch, dass „Genussbiker“ willkommen seien. „Wir müssen etwas tun, um einen Ausgleich zu finden“, sagte sie. Die Installierung von Lärmdisplays habe in Sasbachwalden auf jeden Fall zu mehr Sensibilisierung der Motorradfahrer geführt. „Sie setzen sich damit auseinander und es hat bewirkt, dass leiser gefahren wird. Wir haben aber auch Reaktionen von Bikern bekommen, die deswegen erst Recht richtig Gas gegeben haben“, so die Bürgermeisterin. Es dürfe aber nicht so sein, dass Gäste andere Gäste mit ihrem Verhalten vergraulen.

Biker teil der Problems und Teil der Lösung

„Die Motorradfahrer sind Teil des Problems, aber eben auch Teil der Lösung“, betonte Emil Nefzger.

Wann Lärm von einer Belästigung zu einer Belastung werde, sei sehr individuell, sagte Professor Claudia Hornberg. „Es ist eine subjektive Bewertung, wann ich etwas als Lärm wahrnehme.“ Lärm könne aber auch unterbewusst auf Körper und Psyche wirken.

Initiative will einwirken

Dass von vielen Bürgern Motorradlärm offenbar als Belastung empfunden werde, zeige die „Initiative Motorradlärm“, so der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung, Thomas Marwein. Baden-Württemberg ist das bisher einzige Bundesland, das einen solche Stelle geschaffen hat. „Die Initiative hat mittlerweile 152 Mitglieder. So kann man dann auch auf der Bundesebene einwirken“, sagt er. Denn der Emissionsschutz sei Bundessache, so Marwein.

Politik und Industrie in der Pflicht

Michael Pfeiffer, Chefredakteur der Zeitschrift Motorrad sieht neben der Politik auch die Industrie in der Pflicht. Mit der neuen EURO 5-Norm sei eine deutliche Lärmreduzierung der Motorräder möglich. Von der Politik wünschte er eine Förderung für mehr E-Mobilität. „Nur 0,1 Prozent der Fördersumme für E-Autos kann im Motorradsegment eine echte Chance für mehr elektrische Antriebe sein.“

Verkehrsminister Hermann nahm den Vorschlag auf und plädierte dafür, dass die Politik mehr Anreize für E-Motorräder schaffen müsse.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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