Ausstellung in Baden-Baden
Werke von Karin Kneffel

Werke von Karin Kneffel sind im Museum Frieder Burda zu sehen.
  • Werke von Karin Kneffel sind im Museum Frieder Burda zu sehen.
  • Foto: VG Bild-Kunst Bonn 2019, Thomas Bruns
  • hochgeladen von Daniela Santo

Als Meisterschülerin Gerhard Richters gehört Karin Kneffel zu den bedeutendsten deutschen Malerinnen der Gegenwart. Die aktuelle Retrospektive im Museum Frieder Burda wurde in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin konzipiert.

Die Ausstellung dokumentiert mit rund 140 Werken aus drei Jahrzehnten den Weg von ihren überdimensionalen Gemälden von Früchten hin zur Konstruktion von komplexen malerischen Interieurs, in denen Zeit und Bildebenen, Kunst, Architektur und Film miteinander verschmelzen.

Karin Kneffel untersucht die Wirkungsmacht der Malerei, sie reizt die Möglichkeiten realistischer Darstellung bis ins Extrem aus. Ihre Obst-, ihre Blumen- und Tierbilder „drängen" aus dem Bild heraus und dem Betrachter förmlich entgegen: Äpfel, Pfirsiche und Trauben wirken mit ihren im Barocken schwelgenden Formen zum Greifen nah. Blumen laden ein wie ein Geschenk und appellieren synästhetisch an Seh- wie Geruchssinn. Die Augen der Tiere nehmen direkten Blickkontakt auf und aktivieren einen emotionalen Impuls, der Leinwandformat und Bildgrenze überwindet. Und das lodernde Feuer droht gleich aus dem Rahmen „hinauszuspringen". Aber selbst bei den heißesten Temperaturen kühlt die Perfektion der Komposition die Bildwirkung wieder magisch herunter. Die Bildmacht kann jedoch auch in eine andere Richtung wirken: Mit ihren späteren, sehr vielschichtigen Interieurs hingegen kreiert Kneffel einen Sog ins Innere des Bildes: Hindurch oder vorbei an kunstvoll aufgesetzten Wassertropfen dringt der Blick in geheimnisvolle Räume voller bezugsreicher Personen-Konstellationen, in denen vieles ohne jede Hierarchien in einem räumlichen Nebeneinander existiert: Eine Putzfrau kniet neben einer Lehmbruck-Skulptur. Ein Vorhang gibt den Blick frei auf die theatralische Kulisse eines modernistischen Gebäudes. Nicht selten ersetzt dabei die formalisierte Skulptur den lebenden Menschen. Häufig steigern malerische Verwischungen oder Spiegel und ihre Reflektionen die Komplexität des Bildraums zusätzlich und entführen den Blick des Betrachters in ein ironisches Wechselspiel von Wirklichkeit und Illusion, häufig eröffnet das Bild im Bild einen noch tiefergehenden Blick in noch weiter – zeitlich wie räumlich – zurückliegende Bildwelten, gespeist von persönlichen Erinnerungsfragmenten, von einprägsamen Filmsequenzen und nachwirkenden Museumsbesuchen.

Info: Die Ausstellung "Karin Kneffel" im Museum Frieder Burda in Baden-Baden ist bis zum 8. März zu sehen. Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 18 Uhr, auch an allen Feiertagen. Erwachsene zahlen 14 Euro Eintritt. Weitere Informationen gibt es unter www.museum-frieder-burda.de.

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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