Warum sich Bernd Rendler für den Förderverein für krebskranke Kinder engagiert
Die Nähe zu den kranken Kindern ist wichtig

Für Bernd Rendler ist das Engagement für die krebskranken Kinder ein Herzensanliegen.
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  • Für Bernd Rendler ist das Engagement für die krebskranken Kinder ein Herzensanliegen.
  • Foto: Förderverein für krebskranke Kinder
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Oberkirch/Freiburg. Das Elternhaus neben der Universitäts-Kinderklinik in Freiburg ist eines der
großen Projekte des Fördervereins, der sich für die Belange
krebskranker Kinder einsetzt. Im E-Center in Offenburg werden bis zum
10. Dezember wieder Lose für die Weihnachtstombola zugunsten des Vereins
verkauft. Die Garantie der Organisatoren: Jeder Euro kommt an und hilft
den kranken Kindern und ihren Familien. Beispielsweise im Elternhaus.
Vor dessen Bau war die Situation der Eltern schwierig.

„Unsere jüngste Tochter erkrankte 1986 an Krebs. Ihre Behandlung in der
Universitäts-Kinderklinik in Freiburg dauerte ein Dreivierteljahr. Neun
Monate, in denen meine Frau und ich abwechselnd dauernd bei ihr waren.
So kleine Kinder müssen ständig betreut werden“, erzählt Bernd Rendler.
Als Grundschulleiter verbrachte er damals die Werktage im heimischen
Oberkirch, während seine Frau in Freiburg war. An den Wochenenden kam er
in die Klinik.

In den Achtzigerjahren konnten dank der Entwicklung der Chemotherapie Krebserkrankte geheilt werden, die zehn Jahre zuvor keine Überlebenschance gehabt hatten. Die Eltern betroffener
Kinder stellten jedoch schnell fest, dass das Umfeld der Kinderklinik
nicht mit der medizinischen Entwicklung Schritt gehalten hatte. „Wenn
die Krankenschwester nachts den Tropf umhängte, mussten wir die in den
Raum gequetschte Klappliege wegräumen“, erinnert sich Rendler. Es gab
von offizieller Seite keine Übernachtungsmöglichkeiten für die
betreuenden Eltern, keine Duschen, Toiletten oder Aufenthaltsräume. Die
Krankenzimmer waren winzig und hellhörig. Wenn sich im Nachbarzimmer ein
Patient nachts immer wieder erbrach, wachten die Kinder im Nebenraum
auf. Privatsphäre, Rückzugsbereiche oder Spielzimmer gab es keine.

Um hier Veränderungen zu bewirken, schloss sich das Ehepaar Rendler der
1980 gegründeten privaten Initiative „Förderverein Kinderkrebshilfe
Südbaden e.V.“ an. Der Verein mietete Wohnungen an, damit Eltern in der
Nähe ihrer Kinder übernachten konnten, finanzierte Personalstellen in
der Betreuung der kranken Kinder und schaffte medizinische Geräte an, da
es an elementarer Ausstattung fehlte. Doch der Verein, der mittlerweile
„Förderverein für krebskranke Kinder e.V. Freiburg“ hieß, kam selber in
finanzielle Schwierigkeiten. Als die Einnahmen durch den Rückgang der
gerichtlich zugewiesenen Geldbußen zurückgingen, konnten die Beiträge
der Mitglieder allein die Kosten nicht mehr decken.

Der Wendepunkt kam mit einem Artikel in einer hiesigen Lokalzeitung. Die
Frage, ob Kinder einfach keine Lobby hätten, war angesichts der Zustände
berechtigt. Die Problematik wurde erstmals in einer breiten
Öffentlichkeit wahrgenommen. Und sie fand Resonanz – und der Verein
Unterstützung in seinen Zielen.

„Wir hatten das Glück, im Freundeskreis Menschen zu haben, die sowohl im politischen als auch im gesellschaftlichen Bereich etwas bewirken können“, so Rendler. Der
damalige Oberkircher Bürgermeister Willi Stächele trieb die Anliegen der
Kinder in der Uni-Klinik Freiburg politisch voran. Es wurden Anträge an
die Landesregierung gestellt und bewilligt, welche die Ausstattung der
Station und die bauliche Situation verbesserten. Der Oberkircher
Fernseh- und Musikproduzent Werner Kimmig konnte bedeutende Künstler
gewinnen und eine Schallplatte mit Weihnachtsliedern herausbringen,
deren Erlös dem Förderverein zugute kam. Zahlreiche Künstler und
Prominente engagieren sich dauerhaft für die Belange der Kinder. Kimmig
ist heute im Vorstand des Fördervereins aktiv und mobilisiert durch
seine vielfältigen Kontakte Unterstützer überregional.

Seit der Gründung des Fördervereins sind über 40 Millionen Euro an Beiträgen und
Spenden in die verschiedenen Projekte rund um die
Universitäts-Kinderklinik in Freiburg geflossen.

„Als Elternteil eines schwerkranken Kindes hat man immer Angst, etwas zu verpassen und
nicht rechtzeitig zur Stelle zu sein. Nur die unmittelbare Nähe als
Rückzugsort wird akzeptiert“, weiß Rendler aus eigener Erfahrung. Das
1995 eingeweihte und 2003 erweiterte Elternhaus wurde deshalb direkt
neben der Kinderklinik gebaut. Hier stehen betroffenen Eltern von
schwerst erkrankten Kindern 41 Zimmer mit insgesamt 73 Betten zur Verfügung.

Im Elternhaus wird nicht nur übernachtet, hier können die Eltern Ruhe und Hilfe finden, Gespräche mit anderen Betroffenen oder
professionellen Helfern führen. Freundlich eingerichtete
Gemeinschaftsküchen mit Essplätzen vermitteln das Gefühl, hier wirklich
ein Zuhause zu haben. Der ins Haus integrierte Sozialdienst bietet
praktische Unterstützung. „Kindergarten und Jugendbetreuung sind sehr
wichtig“, weiß Rendler. Deshalb werden im Elternhaus auch die gesunden
Geschwisterkinder betreut. Bereits Neugeborene können dort versorgt
werden. Dies ist besonders bei Alleinerziehenden hilfreich.

Heutzutage können sich die Nutzer gar nicht vorstellen, wie es früher einmal war.
Jede Kleinigkeit im Elternhaus ist auf die Situation der Familien
ausgerichtet. Und alles ist mit Spendengeldern finanziert. „Die
Entwicklung in diesen 30 Jahren wird getragen von der Bevölkerung,
schwerpunktmäßig aus der Ortenau“ sagt Rendler. „Es fiel mir damals
nicht leicht, mich in die Öffentlichkeit zu stellen, offensiv zu werben,
während mein Kind in der Klinik lag und wir nicht wussten, wie es
weitergeht.“ Ihm war jedoch aufgrund der eigenen Erfahrungen klar, dass es notwendig war.

Die nächste große Herausforderung steht bereits an. Im Jahr 2017 soll der erste Spatenstich für eine neue Kinderklinik in Freiburg erfolgen. Das derzeitige Elternhaus wird nach der
Fertigstellung viel zu weit entfernt sein. Direkt neben der neuen
Kinderklinik wird der Förderverein deshalb ein neues Elternhaus bauen.

Autor: djä

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