• 3. März 2018, 19:06 Uhr
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Zahl der Pollenallergiker steigt
Erle und Hasel sorgen für das Jucken in der Nase

Auf Blüte und Pollenflug reagieren immer mehr Menschen mit einer Allergie.
Auf Blüte und Pollenflug reagieren immer mehr Menschen mit einer Allergie. (Foto: dh)

Ortenau (dh). Die Kälteperiode hat dem Pollenflug nochmals etwas Einhalt geboten, Erle und Hasel fliegen aber bereits. In Deutschland leiden etwa 13 Millionen Menschen an einer Pollenallergie mit einer deutlichen Zunahme in den vergangenen Jahrzehnten. Meist tritt Heuschnupfen erstmals bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf, kann jedoch bereits in der frühen Kindheit beginnen oder erst im höheren Lebensalter.

Warum die Augen jucken und die Nase läuft, erklärt Dr. Wolfgang Lipp, Leitender Oberarzt an der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Intensivmedizin am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach: "Immunzellen können gegen eigentlich harmlose Stoffe wie zum Beispiel Pollen empfindlich werden. Diese Stoffe werden dann zum Allergen und das Immunsystem bildet gegen diesen Stoff Antikörper." Diese Antikörper erkennen dann bei erneutem Kontakt das Allergen, es kommt zu einer überschießenden Immunreaktion.

"Dabei werden Botenstoffe wie beispielsweise Histamin freigesetzt, welche zur allergischen Entzündung führen mit Juckreiz und Schwellung der Schleimhäute. Die Nase produziert Sekret, welches die Allergene wieder wegschwemmen soll. Neben der Nasenschleimhaut sind die Bindehäute der Augen die am meisten betroffenen Schleimhäute. Es wird vermehrt Tränenflüssigkeit produziert, die nicht richtig abfließen kann und so zu tränenden Augen führt", so Dr. Wolfgang Lipp. Bei circa 30 bis 40 Prozent der Pollenallergiker kann es im Verlauf zu einem allergischen Asthma bronchiale kommen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Pollenallergie zu behandeln beziehungsweise deren Auswirkungen zu lindern. "Augentropfen und Nasenspray mit der Substanz Cromoglicinsäure zur örtlichen Anwendung sind eine Möglichkeit, eine weitere sind kortisonhaltige Nasensprays gegen die Entzündung. Die Einnahme von Antihistaminika zur Linderung der Symptome ist ebenfalls möglich", so Lipp. Wichtig ist, die Schritte genau mit seinem Arzt abzustimmen, der gegebenenfalls an einen Allergologen überweist.

Bei starker und lang anhaltender Symptomatik kommt gegebenenfalls eine Hyposensibilisierung, die in der Regel über etwa drei Jahre geht, in Frage. Dabei wird versucht, durch gezielten und häufigen Kontakt mit kleinen Mengen des auslösenden Allergens, die erhöhte Empfindlichkeit zu reduzieren. Behandlung mit Spritzen unter die Haut oder täglicher Einnahme einer Tablette kommen dafür in Frage.

Um sich vorzubereiten, helfe die Nutzung von „Pollenflugkalendern“ und Pollenflug-Apps. Dr. Wolfgang Lipps rät, bei starkem Pollenflug Haare und Gesicht vor dem Schlafen zu waschen, damit sich die Allergene nicht im Kopfkissen verteilen. Außerdem sollte man während der Nacht die Fenster schließen, vor allem im Schlafzimmer. Ein Pollenschutzgitter für die Fenster ist eine weitere Möglichkeit. Die Wäsche sollte möglichst nicht im Freien trocknen.

Pollenfilter in Klimaanlagen, vor allem im Auto, sowie Autofahrten mit geschlossenem Fenster sind empfehlenswert. Selbst das Tragen einer Sonnenbrille, um weniger Angriffsfläche für die Pollen zu bieten, hilft bereits. Der Verzicht aufs Rauchen stärkt das Immunsystem. Wer die Möglichkeit hat, kann seinen Urlaub während der Zeit des stärksten Pollenfluges planen und wenn möglich in einer anderen Klimazone verbringen, zum Beispiel im Hochgebirge über 1.800 Meter oder an der Küste mit Seewind.

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