Sonntagsportrait
Christian Keller ist seit zwei Jahren Chef des Ortenau Klinikums

Christian Keller ist am Oberrhein geboren, aufgewachsen und hat vor zwei Jahren in der Ortenau sein Tätigkeitsfeld gefunden.
  • Christian Keller ist am Oberrhein geboren, aufgewachsen und hat vor zwei Jahren in der Ortenau sein Tätigkeitsfeld gefunden.
  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Isabel Obleser

Offenburg. Christian Keller ist Geschäftsführer beim Ortenau Klinikum und damit Chef von rund 5.400 Mitarbeitern und hatte in den vergangenen Monaten manch kniffelige Diskussion zu überstehen. Die Aufgabe lautet: Umstrukturierung des viertgrößten kommunalen Klinikverbunds in Baden-Württemberg. Entsprechend vorsichtig gibt sich Keller beim redaktionellen Gespräch in seinem Büro, wenn es um die Zukunft der verschiedenen Standorte geht. Der Gegenwind, der zum Teil bis auf die persönliche Ebene ging, war stark. Der 45-Jährige wirkt aber überzeugt von der Richtigkeit des Kurses, kennt Argumente sowohl als Berater als auch als Chef einer Kreisklinik.
Schon während seines Studiums der Volkswirtschaftslehre, das er als Diplom-Volkswirt in Freiburg abschloss, entschied er, im Bereich des Gesundheitsmanagements tätig werden zu wollen. Er gründete schön während des Studiums ein Unternehmen, das sich der strategischen Beratung von Kliniken widmete. In diesem Rahmen lernte er 2006 bereits das Ortenau Klinikum kennen und entwickelte mit dem damaligen Geschäftsführer Manfred Lörch das Corporate Design – das einheitliche Erscheingungsbild des Klinikums.
Strategische Beratung führte er auch bei den Kreiskliniken im Landkreis Darmstadt-Dieburg durch. Als dort 2009 der Geschäftsführer das Haus verließ, habe ihm der Landrat gesagt, dass er dann sein vorgelegtes Konzept als neuer Chef der Kreiskliniken selber umsetzen könne. Dort hat Keller durch das Schaffen neuer Abteilungen und anderer Strukturen die Patientenzahlen hochschnellen lassen und wurde 2016, als er in die Ortenau wechselte, von Politik und Mitarbeitern mit Lobeshymnen aus dem Hessischen verabschiedet. Sein Weg führte den inzwischen in Freiburg lebenden und in Waldshut geborenen Keller ein Stück wieder gen Heimat. Er wurde 2016 Nachfolger von Manfred Lörch.

"Sehr wichtig ist der Blick von außen"

"Der Blick von außen ist für Kliniken, Bürger und die Politik gleichermaßen wichtig", steht für Keller außer Frage. Diese Erfahrung nimmt er mit aus seiner zehnjährigen Beratertätigkeit. "Es stehen einige harte Jahre vor uns", prognostiziert Keller für das Ortenau Klinikum. Entsprechend dem Titel Agenda 2030 glaubt er, dass gegen Ende dieses Zeitfensters auch der finanzielle Turnaround geschafft sein könnte. Die Situation mit Darmstadt-Dieburg sei nicht vergleichbar. Während das Ortenau Klinikum bereits 90 Prozent der Patienten aus dem Kreis behandle, sei die Situation im Großraum Frankfurt eine andere gewesen, der Konkurrenzdruck durch umliegende Kliniken weitaus höher. "Für die Kliniken in dem Landkreis konnten wir die Patientenzahlen in fünf Jahren verdoppeln und hohe Wachstumsraten erzielen", berichtet Keller.
"Ein beruflicher Wechsel bedeutet auch neue Impulse sowohl für das neue Haus als auch für die Person selber", ist sich Keller sicher. Mit den ärztlichen Direktoren des Ortenau Klinikums herrsche grundsätzliche Einigkeit über den eingeschlagenen Weg – "auch aus medizinischen Gründen", so Keller. Politische Vorgabe sei es, weiterhin die flächendeckende Patientenversorgung zu gewährleisten und dabei den Trend zu größeren Einheiten nicht zu verpassen. "Wir müssen es schaffen, bei den Bürgern durch die Nachnutzung der Standorte Vertrauen zu gewinnen", setzt Keller auf die zu entwickelnden Konzepte. Mit dem Land Baden-Württemberg seien die Gespräche zur Agenda 2030 sehr gut angelaufen. "Im Vergleich mit anderen Bundesländern ist die finanzielle Förderung im Süden Deutschlands sehr gut", hofft er dabei auf Gelder aus Stuttgart für die Neustrukturierung.
"Ich habe keine Dogmen gegenüber privaten Kliniken", betont Keller etwa in Bezug auf Gespräche mit dem Herzzentrum Lahr. So würden in den kommenden Jahren drei kardiologische Chefärzte – zwei am Klinikum, einer am Herzzentrum – in Ruhestand gehen. "Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt eine Kooperation ergebnisoffen zu prüfen", erklärt Keller.
"Wenn ich sagen würde, ich gehe noch tauchen, stimmt das derzeit nicht mehr", berichtet Keller von einem seiner Hobbys. Ebenso sieht es mit Mountainbiken aus. So widmet er sich in der verbleibenden Freizeit seinen zwei Kindern aus erster Ehe sowie seiner jetzigen Frau. rek

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