Närrische Schulfibel sorgt weiter für erhitzte Gemüter

Ortenau. Die Schulfibel des Ortenauer Narrenbundes (ONB) wird von der Vereinigung
Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) heftig kritisiert (wir
berichteten über deren Vorstellung). In einer siebenseitigen
Presseinformation bekräftigt die VSAN nun ihre Vorwürfe.

„Uns geht es hier nicht darum, ein ‚Sommertheater‘ einzuleiten oder frei nach
dem Spruch ‚nichts ist ernster als die Fastnacht‘ zu agieren. Es geht
der Vereinigung um erhebliche Rechteverletzung durch unautorisierte und
als Eigenproduktion verkaufte Inhalte eines überwiegend durch Sponsoren
sowie durch öffentliche Gelder finanzierten Schulbuchprojekts“, wird
betont. „Ein Hilfsmittel für Lehrkräfte an Grundschulen zur Vermittlung
von Wissen um das Brauchtum der schwäbisch-alemannischen Fastnacht,
welches regional eingesetzt werden kann und dabei die lokalen
Traditionen berücksichtigt, wird grundlegend von der VSAN befürwortet“,
heißt es. Allerdings betreibe der ONB hier „kulturellen Flurschaden“,
zitiert die VSAN Werner Mezger, Freiburger Volkskundler und Leiter des
Instituts für Europäische Ethnologie.

Neben dem Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) habe der ONB auch die VSAN
nachträglich mit seiner Schulfibel noch ins Boot holen wollen. Aber, so
VSAN-Präsident Roland Wehrle: „Das jetzt vorliegende Kinderbuch samt
Begleitmaterial erfüllt die Qualitäts- und Seriositätsanforderungen an
ein solches Projekt nicht.“ Abgesehen davon, dass Teile „umfangreich und
wörtlich aus dem Internetauftritt der VSAN unautorisiert und ohne
jegliche Absprache“ übernommen worden seien, weise das Werk „gravierende
Mängel in der Rechtschreibung und Grammatik“ auf und habe „inhaltliche
Fehler“. „Das ganze Projekt ist didaktisch, pädagogisch und
fachwissenschaftlich rundum indiskutabel“, so ein weiteres Zitat von
Werner Mezger.

Die VSAN erklärt, dass der ONB „sich zu den vorgelegten Fakten bisher ausweichend und für die VSAN teilweise im
Widerspruch“ geäußert habe. Auch dies sei Anlass, nun an die
Öffentlichkeit zu gehen. „Zum Teil wurden Fehler zugegeben, teils wurde
argumentiert, es handele sich hier nur um eine Probeveröffentlichung“,
so die VSAN. „In den offiziellen Presse- sowie Internetmitteilungen des
ONB sowie bei der Buchvorstellung war davon keine Rede.“ Die VSAN behält
sich rechtliche Schritte vor.

ONB-Präsident Rainer Domfeld betont dagegen gegenüber dem Stadtanzeiger, dass die Schulfibel sich in der Entwicklungsphase befinde. Der umstrittene und nicht lektorierte
Vorentwurf sei im April bei einer der zwei Mal jährlich stattfindenden
Zusammenkünfte von OBN, VSAN und VON vorgestellt worden. Da die
Vereinigungen miteinander kooperierten, seien bewusst auch Texte vom
VSAN verwendet worden. Einen Tag vor der Pressekonferenz, bei der das
reine Projekt vorgestellt worden sei, habe er dann einen erbosten Brief
von Wehrle erhalten. Daraufhin habe Domfeld das Gespräch gesucht und
vorgeschlagen, die Schulfibel gemeinsam herauszubringen.

Schließlich habe er einen Vermittler eingesetzt. Dieser habe ihm mitgeteilt, so
Domfeld, dass für Wehrle die Sache erledigt sei, wenn die übernommenen
Passagen geändert würden. Warum das Ganze nun weiter hochkocht, versteht
Domfeld nicht: „Alle bestätigen, dass die Idee gut ist. Wir werden die
Fibel wie geplant weiterentwickeln.“ Am 10. September finde ein Treffen
mit Vertretern des Regierungspräsidiums und des Schulamtes statt, wo es
um Verbesserungsvorschläge ginge.

Autor: Anne-Marie Glaser

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