Timo Honisch, Geschäftsführer Operativ
Intensiver digitaler BIM-Besuch

Timo Honisch

Offenburg. Was unterscheidet das digitale Format der Berufsinfomesse (BIM) von der Präsenzmesse. Im Prinzip nichts, sagt Timo Honisch, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit, im Interview mit Christina Großheim.

Was unterscheidet die digitale von der analogen BIM?
Auch wenn es irritierend klingen mag, im Kern gibt es keinen Unterschied. Dies war uns bei der Konzeption wichtig. Die BIM lebt von der Begegnung. Und weil diese in der realen Welt so derzeit kaum möglich ist, wollten wir diese Begegnungen mit direkten Gesprächen unter vier Augen so gut es geht in der digitalen BIM ermöglichen. Wenn ich mich als Besucher auf den Stand eines Betriebes zubewege, bei dem ich gerne eine Ausbildung machen möchte, aber derzeit aufgrund der Pandemie nur schwer mit der Personalabteilung ins Gespräch komme, bin ich bei der digitalen BIM unmittelbar im echten Vier-Augen-Videogespräch. Ich kann der anderen Person ins Gesicht schauen, zuhören, ein Gefühl dafür bekommen, passt das mit uns oder eher nicht. Ich kann alle Fragen direkt stellen, ohne zu mailen oder zu chatten. Ich kann sogar mit Auszubildenden am Stand per Video ins Gespräch kommen, wie es ihnen im Betrieb geht. Ich kann meine Freunde mit ins Gespräch mitnehmen oder später mit meinen Eltern nochmal am Stand vorbeischauen, damit sie sich auch einen Eindruck machen können. Vor allem kann ich, wie bei der bisherigen BIM auch, durch meine Ausstrahlung, durch meine Art, durch mein Interesse im Gespräch punkten, auch wenn meine Schulnoten nicht so gut sind. Gleiches gilt für Aussteller, die es derzeit schwer haben, auf interessierte Jugendliche zu treffen. Und: Die Gespräche sind diskret, niemand kann zuhören, außer ich möchte das. Es sind echte Vier-Augen-Gespräche und ungestört vom Lärm der Nachbarstände und ohne Schubsen und Gedränge.

Wie leicht oder schwer war es, das Konzept ins Digitale zu übertragen?
Nachdem die Grundidee feststand und die Messe einen passenden Anbieter gefunden hat, ging es an die Detailkonzeption.
Und wie immer bei neuen Projekten gab es einige Tücken. Vor allem haben wir viel Unsicherheit bei Ausstellern wegen des technischen Neulandes erfahren. Ich denke aber, dass diese Befürchtungen abgebaut werden konnten. Dieses Messeformat bietet so viel mehr im Vergleich zu anderen digitalen Angeboten, die es derzeit gibt. Gerade weil es über die Videofunktion diese intensiven Gespräche geben wird, die durch einen Chat oder eine E-Mail nicht ersetzt werden können. Dies hat dann aber zur Folge, dass ich als Aussteller oder Besucher einen PC benötige. Ein Handy oder ein Tablet reichen dafür nicht aus. Dass dies bei einigen Jugendlichen zu Schwierigkeiten führt, ist uns bewusst. Klar ist aber auch, dass die Berufswahl und der BIM-Besuch viel intensiver sind als ein kurzes Wischen über das Smartphone oder das Klicken auf eine Info im Netz. Deshalb haben wir über die technischen Voraussetzungen rechtzeitig informiert und bauen darauf, dass die Besucher sich die Möglichkeiten suchen, über Familienmitglieder, Freunde, Verwandte, Nachbarn oder die Schule an geeignete Geräte für den Besuch der BIM zu kommen, wenn sie selbst keinen Computer mit Kamera und Mikrofon haben.

Wer sollte die BIM 2021 besuchen? 

Junge Menschen, die eine Ausbildungsstelle suchen oder Fragen zu einem möglichen Schulplatz oder Studienplatz haben. Aber auch die, die noch gar nicht wissen, wie es beruflich weitergeht. Ebenso wie Schülerinnen und Schüler, die erst 2022 oder später aus der Schule kommen und gerade wegen der Pandemie wenig Möglichkeit hatten zu ihrer Orientierung oder um über Praktika oder Ferienjobs mit Betrieben in Kontakt zu kommen. Gerade, wenn die Schulnoten nicht die Besten sind, kann ich mit meinen sonstigen Fähigkeiten und Kompetenzen, mit meinem Engagement im Gespräch das Interesse bei Betrieben wecken. Für die Eltern ist der BIM-Besuch wichtig, um sich selbst besser zu informieren und die Kinder zu begleiten. Das geht dieses Jahr besonders gut. Egal ob an einem PC oder mit zwei Avataren und man trifft sich in der Messehalle als Familie. Die BIM bietet aber auch vielfältige Informationen und Beratungsmöglichkeiten rund um das Thema Weiterbildung. Auch hierzu lohnt sich der Besuch.

Was unterscheidet die BIM von anderen Informationsangeboten in der Region?
Die BIM hat sich zu einer Marke entwickelt. Die BIM war bisher das relevante Angebot in der Region zum Thema Ausbildung und Beruf. Nicht nur wegen ihrer Größe, der Anzahl der Aussteller, der Vielfalt der Angebote, sondern auch weil die BIM immer innovativ war. Dies ist sie jetzt wieder, indem wir nicht nur eine Ansammlung von Homepages ins Netz stellen und darauf geklickt werden kann, oder auf den Handy-Bildschirm gewischt werden kann, was gefällt und was nicht.
Die BIM war bisher ein Ort der Begegnung und der Vernetzung in der Region. Diesen Kerngedanken haben wir in die virtuelle Welt übertragen.

Wie können sich die Besucher unter den vielen Angeboten der Aussteller der BIM zurechtfinden?
Der bereits in den Vorjahren hilfreiche und beliebte „BIM-Finder“ steht auch dieses Jahr zur Verfügung, um sich vorzubereiten. Er enthält alle Aussteller und deren Angebote. So kann ich mit meinem Avatar ganz gezielt die für mich interessanten Stände aufsuchen und mich vorab dazu informieren. Ich kann aber auch, wie bei Messen üblich, durch die Messehallen schweifen, mich umschauen und spontan auf einzelne Aussteller zubewegen und mit ihnen ins Gespräch kommen.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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