WRO unterstützt die Unternehmen
Regionales Netzwerk gefragter denn je

Vor Corona konnte die WRO zahlreiche Veranstaltungen anbieten: Melanie Fischer (v. l.), Roland Fischer und Hans Fischer (Fischer Group), Oberbürgermeister und WRO-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Muttach, Hans-Peter Fischer (Fischer Group), Dr. Ralf Wagner (COO Siemens AG), Dominik Fehringer (WRO GmbH).
  • Vor Corona konnte die WRO zahlreiche Veranstaltungen anbieten: Melanie Fischer (v. l.), Roland Fischer und Hans Fischer (Fischer Group), Oberbürgermeister und WRO-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Muttach, Hans-Peter Fischer (Fischer Group), Dr. Ralf Wagner (COO Siemens AG), Dominik Fehringer (WRO GmbH).
  • Foto: WRO
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Offenburg (gro). Gerade in der Krise war das Netzwerk der Wirtschaftsregion Ortenau (WRO) gefragt. Christina Großheim sprach mit Geschäftsführer Dominik Fehringer über die vergangenen Wochen.

Wie meistert die WRO die Krise?
Unser Geschäftsbetrieb hatte sich über Nacht verändert. Schon ab der ersten Märzwoche galt nach der Schließung unseres Büros für alle Mitarbeiter Höchsteinsatz aus dem Home-Office. In den vergangenen Jahren haben wir die entscheidenden Prozesse digitalisiert. Daher war die Umstellung für uns nicht weiter schwierig. Allerdings wurde unser gewohntes Portfolio kräftig durchgeschüttelt. Bei 50-70 Veranstaltungen pro Jahr bringen wir Menschen zu unterschiedlichsten Themen zusammen. Darüber hinaus sind wir als Aussteller international auf rund 20 Messen vertreten. Dies alles war plötzlich nicht mehr möglich. Trotzdem ist der Arbeitsanfall gestiegen.

Welche besonderen Aktionen gab es in den vergangenen Wochen?
Begonnen haben wir im März mit dem Aufbau unseres Blogs corona-meistern.de, der auch von Unternehmen aus ganz Deutschland Beachtung gefunden hat. Dort geht es thematisch um konkrete Hilfestellungen für Unternehmen in der Krise.
Die Seite Heldenprodukte.de, Webinare für Unternehmer, für den Handel, für das Bildungswesen, ein grenzüberschreitender Hackathon, Kooperationsverhandlungen zu den Weiterbildungsmöglichkeiten für Unternehmen haben unser Aufgabenspektrum ergänzt. Andere Projekte liefen weiter, so die Gründung einer Einkaufsplattform für technische Produkte, die wir  in Kürze starten, die Betreuung von Interreg-Programmen, die Erstellung einer WRO-App, der Relaunch unseres Bewerberportals für unsere Mitgliedsunternehmen, die Unterstützung von Existenzgründern, Öffentlichkeitsarbeit für unser Netzwerk und das weitere Tagesgeschäft wollen erledigt sein.

Wie unterstützt die WRO ihre Mitglieder – vielleicht sogar die ganze Region – positiv in der Krise?
In schwierigen Zeiten hat Wirtschaftsförderung Hochkonjunktur. Es haben sich mit Beginn der Krise rasch neue Themenfelder aufgetan. Wir konnten mit unseren Aktivitäten breit ansetzen.
Als regionale Einheit informieren wir regelmäßig das Wirtschaftsministerium über die wirtschaftliche Lage vor Ort. Der Austausch mit der Ministerin, dem Staatssekretär und der Hausspitze des Ministeriums ist von zentraler Bedeutung, weil das Land auf die Förderbedarfe passgenau reagieren kann. Ebenso wichtig war für uns der regelmäßige Austausch mit den Kollegen der anderen Wirtschaftsregionen und mit den Wirtschaftsförderern aus den Ortenauer Kommunen. Eines ist in dieser Krise klar geworden: Wirtschaftsförderung ist keine Schönwetterveranstaltung. Im Krisenfall entsteht wie aus dem Nichts ein unheimlicher Informationsbedarf bei Unternehmen, aber auch in Verwaltungen und in der Politik. Dieser Bedarf muss gedeckt werden und das ist nur mit eingeführten und hinreichend ausgestatteten Strukturen möglich. Die WRO konnte hier rasch und intensiv handeln.
Weitere Themen wie die Öffentlichkeitsarbeit für unsere Unternehmen, Standortmarketing für den Tourismus, Rat & Tat für Start-ups sowie Webinare für den Handel und für das Bildungswesen fordern uns viel Aufmerksamkeit ab. Wir informieren crossmedial und zielgruppenspezifisch über unsere Aktivitäten. Für unser Onlinemarketing-Team bedeutet dies, dass zahlreiche Kampagnen parallel geplant und überwacht werden müssen.

Wie hat sich die Wirtschaftsregion verändert?
Wir sind noch näher zusammengerückt. Jeder unterstützt den anderen, wo er kann. Es kommt uns in der Ortenau zugute, dass die Gründerväter der WRO den Gedanken des regionalen Zusammenhalts früh erkannt und gepflegt haben. Dank der WRO sind die Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft über Jahre eng vernetzt. Dank der persönlichen Begegnungen und den gemeinsamen Aktivitäten ist eine belastbare Vertrauensbasis gelegt. Nur wenn man sich kennt, den Austausch mit anderen schätzt und sich auf Neues einlässt, kann in einem Netzwerk Gutes entstehen. Ich bin sehr dankbar für den Rückhalt der 56 Gesellschafter und der 170 Mitgliedsbetriebe. Ein Netzwerk dieser Art ist bundesweit einmalig und die Synergien, die daraus für die gesamte Region resultieren, sind es ebenso.

Welche neue Ideen lassen sich nun, da viele ein weiter so nicht anstreben, umsetzen?
Themen der Nachhaltigkeit und eine Fokussierung auf die regionalen Möglichkeiten werden vermehrt in den Fokus rücken. Zukunftsforscher sagen ein Ende der Globalisierung voraus. Das halte ich für ausgemachten Unsinn. Wir blicken auf viele Jahrhunderte des erfolgreichen Welthandels zurück. Schon im 9. Jahrhundert hat das weltgrößte Seehandelsnetz unvorstellbare Mengen Waren zwischen China und dem heutigen Nahen und Mittleren Osten transportiert. Die Globalisierung ist also keine Erfindung des 20. Jahrhunderts, die nun schnellstmöglich durch Rückzug und Abschottung korrigiert werden müsste. Im Gegenteil: Viele Unternehmen profitieren gerade heute durch Aufträge aus China, weil dort nach Eindämmung des Virus die Produktionen wieder unter Hochdruck laufen. Es ist aber sicher richtig und kein Widerspruch, jetzt den Blick auf die Sicherstellung von Lieferketten zu legen, diese produktionsnah und möglichst krisenfest anzulegen und auch die Versorgung mit Medikamenten, Medizintechnik, Lebensmitteln und anderen kritischen Gütern auf nationaler und europäischer Ebene sicherzustellen.

Welche Branchen waren besonders betroffen, welche weniger?
Das Land Baden-Württemberg hat mit Soforthilfen reagiert. Wie breit die Krise die Wirtschaft des Landes getroffen hat, erkennt man an den Zahlen: Über 240.000 Unternehmen und Soloselbstständige wurden mit Soforthilfen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro unterstützt. Für Vereine, Kultur, Tourismus und Gastronomie hat das Land kürzlich weitere 1,3 Milliarden Euro in einem gesonderten Hilfspaket bewilligt. Weitere Hilfen werden folgen müssen. Im Nachgang zu den Landeshilfen hat die Bundesregierung mit einem 130 Milliarden-Konjunkturpaket reagiert.
Diese Unterstützungen sind in der Mehrzahl der Fälle überlebenswichtig. Die metallverarbeitenden Betriebe und der Maschinenbau erleben eine große Zahl an Stornierungen von Aufträgen aus den USA und auch aus europäischen Ländern. Branchenverbände sprechen von einem katastrophalen Jahr, dessen Auswirkungen nicht vor dem Jahr 2023 behoben werden können. Andere Branchen haben es leichter, sicher gehören die Medizintechnik und andere Unternehmen, die zur kritischen Infrastruktur beitragen, zu den weniger betroffenen Unternehmen.
Der Ortenau kommt wieder einmal die hohe Heterogenität der Wirtschaftslandschaft zugute. Der industrielle Mittelstand steckt den Kopf nicht in den Sand und Selbstmitleid ist ein Fremdwort. Der Wohlstand unserer Region sitzt auf breiten unternehmerischen Schultern. Dies macht die Ortenau insgesamt so krisenfest. Es gibt nicht wie in anderen Regionen einen durch einen einzelnen Konzern geprägten Wohlstandsbauch, der bei der ersten Diät abschmilzt. Der Ortenauer Mittelstand steht breit diversifiziert und mit beiden Beinen fest auf dem Boden.

Was nehmen Sie mit aus der Krise?
Diese Situation ist auch ein Innovationstreiber. Neben digitaler Technologie in der Kommunikation wird auch der Fokus auf Forschung & Entwicklung positive Effekte haben. Gleichzeitig erleben wir ein Erstarken der Regionalität. Das Netzwerk der WRO bietet dafür beste Voraussetzungen. Sicher können wir mit intensivierten regionalen Aktivitäten noch sehr viel stärkere Synergien erzielen. Dies gilt für grenzüberschreitende Aktivitäten genauso wie für Themen der Industrie und des Tourismus. Als Netzwerkknoten können wir Wirtschaft und Wissenschaft, Produktion und Forschung, noch viel enger vernetzen als zuvor. Auch müssen wir Start-ups noch intensiver fördern und die Vernetzung der Existenzgründer mit den regionalen Unternehmen muss deutlich an Fahrt aufnehmen.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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