Auch in der Ortenau fehlt es in Stadtverwaltungen immer mehr an Fachkräften
"Die Besoldung ist nicht besonders attraktiv"

In vielen Stadtverwaltungen fehlt Personal.
  • In vielen Stadtverwaltungen fehlt Personal.
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  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Ortenau (ds). Nicht nur die Industrie und das Handwerk klagen über Fachkräftemangel. Auch Stadt- und Gemeindeverwaltungen haben es immer schwerer, offene oder neu geschaffene Stellen zu besetzen.
"Bei Stadtverwaltungen in der Größenordnung der Stadt Kehl und darüber höre ich vor allen Dingen Klagen im Bereich der technischen Berufe wie Bauingenieure oder Vermessungsingenieure", berichtet Paul Witt, Rektor der Hochschule Kehl, auf Anfrage. In diesen Bereichen bestehe ein drastischer Personalmangel. "Bei kleineren Städten und Gemeinden, die keine technischen Kräfte beschäftigen, fehlt es allerdings auch schon bei Verwaltungsmitarbeitern und bei Beamten aus dem gehobenen Verwaltungsdienst", so Witt weiter. Nicht selten höre er von Bürgermeistern die Klage, dass sich nicht genügend Absolventen der Hochschulen für öffentliche Verwaltung beispielsweise für Kämmererstellen bewerben. Den Grund hierfür sieht der Hochschul-Rektor teilweise in der Bezahlung im höheren und gehobenen Dienst. "Diese ist im öffentlichen Dienst niedriger als in der Privatwirtschaft. Dazu kommt noch, dass die Landesregierung die Eingangsbesoldung im höheren Dienst um acht Prozent und im gehobenen Dienst um vier Prozent für die Dauer von drei Jahren abgesenkt hat", führt Witt an. Damit ist Baden-Württemberg Schlusslicht, was die Eingangsbesoldung anbelangt. "Dies ist natürlich für junge Menschen nicht besonders attraktiv", betont Paul Witt.
Gegen diese politische Entscheidung sind Stadtverwaltungen machtlos. "Wir halten diese Absenkung für einen großen Fehler, betont Stefanie Hinz, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Städtetags Baden-Württemberg in Stuttgart. "Wir wollen nicht bei jungen Leuten sparen und für gute Arbeit auch gut bezahlen", erklärt Hinz weiter. Derzeit behelfe man sich beispielsweise dadurch, die Probezeit zu verkürzen, um in die nächst höhere Besoldungsgruppe einzustufen. "Wir begrüßen aber ausdrücklich, dass die Landesregierung im Koalitionsvertrag festgehalten hat, die Eingangsbesoldung wieder anzuheben", erklärt Stefanie Hinz. Außerdem hat der Städtetag im vergangenen Jahr die Personalmarketingkampagne "Wir machen's öffentlich" gestartet. Mittlerweile beteiligen sich rund 50 Städte – darunter auch Offenburg – an der Aktion, die in diesem Jahr fortgeführt werden soll. So werden auf der Homepage unter www.wir-machens-oeffentlich.de die verschiedenen Berufe beschrieben und welche Möglichkeiten eine Stadtverwaltung bietet. Desweiteren hat der Städtetag zusammen mit der Hochschule in Mosbach zum Beispiel einen Bauingenieurs-Studiengang eingerichtet, mit Schwerpunkten, die in einer Kommune von Bedeutung sind.
Auch die Hochschule Kehl versucht, gegen den Fachkräftemangel anzukämpfen und unterstützt zum Beispiel die Berufsverbände wie den Verband der Verwaltungsbeamten, die sich gegen die Absenkung der Eingangsbesoldung aussprechen. "Was wir als Hochschule allerdings tun können ist, Verwaltungsmitarbeiter so gut wie irgend möglich auszubilden, damit sie generalistisch und in vielen Bereichen einsetzbar sind und das tun wir auch" betont Rektor Paul Witt.
Wie Stefanie Hinz zu bedenken gibt, führt der Fachkräftemangel in manchen Städten und Gemeinden bereits zu einem Sanierungsstau: "Da müssen Gemeinderäte und Stadtverwaltung zusammen- und nicht gegeneinander arbeiten."

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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