Schneller als jede Bank
Wirtschaft auf Talfahrt, Pfandhäuser boomen

Heiko Kling vom gleichnamigen Pfandhaus bewertet den zu beleihenden Schmuck. | Foto: mak
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Offenburg Um 10.30 Uhr öffnet er sein Geschäft, um 11 Uhr sind wir zum Gespräch verabredet. "Heute hatte ich schon zehn Kunden im Laden und vier am Telefon", erzählt Heiko Kling vom gleichnamigen Pfandhaus in Offenburg. Das Geschäft boomt. Seit dem Ukraine-Krieg und der Inflation frequentieren deutlich mehr Menschen sein Geschäft. "Ich habe etwa 30 bis 40 Prozent mehr Neukunden", erklärt er. Und weiter: "Das ist eine traurige Entwicklung. Die Leute beleihen ihr Hab und Gut, weil sie Geld für das tägliche Leben brauchen."

Geld gibt es sofort

Die Pfandwerte variieren stark – von 30 Euro bis hin zu einem Armband von 7.000 Euro. Fast jeder Kunde habe seine eigene Geschichte, warum er den Gang zum Pfandhaus antritt. Oft sei viel Trauriges dabei, weiß Kling zu berichten. Gerade wenn Kinder im Spiel seien. "Ich hatte auch schon Eltern im Geschäft, die Geld für die Schulmaterialien ihrer Kinder brauchten. Für viele sind wir manchmal auch die letzte Rettung", so Kling.

Viele seiner Kunden seien aber Geschäftsleute oder auch aus dem Mittelstand, die schnell und unkompliziert Geld bräuchten, so Kling.

Denn Geld – sofern der Gegenstand einen entsprechenden Wert hat – gibt es, im Gegensatz zu einer Bank, sofort. Eine Schufa-Auskunft oder Bonitätsprüfung gibt es nicht. Das Pfandstück ist die Sicherheit für Heiko Kling. Er hat sich mit seinem Pfandhaus vor allem auf Schmuck spezialisiert. "Ich komme aus der Branchen, da kenne ich mich aus. Ich hatte aber vor ein paar Wochen beispielsweise auch einen Mann im Laden, der seinen Bentley beleihen wollte", erzählt er. Das mache er aber eigentlich nicht, da er dafür keine geeigneten Unterstellmöglichkeiten habe.

Das Gespräch wird immer wieder unterbrochen, weil Kunden das Geschäft aufsuchen. Ein etwa 30-jähriger Mann möchte Schmuckstücke aus einer Haushaltsauflösung verkaufen. In weniger als drei Minuten ist der Kauf abgewickelt. "Bei Goldschmuck zum Beispiel wird immer nur der Goldwert beliehen oder zur Preisermittlung für einen Ankauf herangezogen", so Kling.

Der Pfandschein läuft drei Monate. Mit dem Pfandschein bestätigt der Kunde, dass er Eigentümer der Sache ist. Die Kosten sind genau vorgegeben. Die Zinsen für das Darlehen dürfen ein Prozent des Pfandwertes nicht übersteigen. Hinzu kommt noch eine monatliche Gebühr, die bei Leihbeträgen bis 300 Euro gesetzlich geregelt ist. Sie liegt zwischen einem Euro und 6,50 Euro. Bei mehr als 300 Euro sind die Gebühren frei verhandelbar.

Geringe Auslösungsquote

Nur rund fünf Prozent seiner Kunden würden ihren Pfandgegenstand wieder auslösen, so Kling. "Die meisten verlängern die Laufzeit", so Kling. Vor allem am Monatsanfang würden viele kleinere Dinge immer wieder abgeholt.

Die Sachen, die nicht wieder ausgelöst werden, gehen in die Versteigerung. "Nach vier Monaten und einem Tag können wir versteigern, nach sieben Monaten müssen wir versteigern", erklärt Kling. Und weiter: "Die Versteigerungen müssen öffentlich bekannt gemacht werden, um Kunden damit noch eine Möglichkeit zu bieten, ihr Eigentum im letzten Moment noch auszulösen", so Kling abschließend.

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