Halbzeitbilanz Marco Steffens
Zwischen Krisen und Zukunftsentwicklung

Marco Steffens zieht Halbzeitbilanz. | Foto: gro
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Offenburg (gro) Seit vier Jahren ist Marco Steffens Oberbürgermeister von Offenburg. "Als ich gewählt wurde, hatte ich nicht damit gerechnet, dass wir so viele Krisen in den vergangenen zwei Jahren zu bewältigen haben würden", stellt Steffens im Halbzeitgespräch nüchtern fest. Trotzdem ist er froh, dass "wir dennoch bei wichtigen Themen der Stadtentwicklung Pflöcke einrammen konnten".
Dabei denkt er vor allen Dingen an das neue Großklinikum, das bis 2030 im Holderstock entstehen soll. "Unser Ziel ist, die bestmögliche medizinische Versorgung für unsere Raumschaft am Standort Offenburg zu sichern." Zufrieden ist er auch, dass die Stadt im dritten Anlauf den Zuschlag für die Landesgartenschau erhalten hat. "Das ermöglicht uns, gerade im Bereich Südstadt und Stegermatt Stadtentwicklung zu betreiben", so Steffens.

Digitalisierung im Blick

In Angriff genommen wird auch die Transformation und Digitalisierung innerhalb der Stadtverwaltung. "Das ist wahre Kärrnerarbeit", räumt der OB ein. "Wir sind besser als mache behaupten, aber verglichen mit der Wirtschaft liegen die öffentlichen Verwaltungen meilenweit hinten." Wichtig sei die Digitalisierung mit Blick auf die Personalentwicklung: "Die geburtenstarken Jahrgänge verlassen uns. Wir werden in den nächsten vier Jahren ein Fünftel der Beschäftigten in den Ruhestand verlieren." Damit die Verwaltung dann weiter funktioniere, sei diese Transformation wichtig: "Wenn öffentliche Verwaltung nur eingeschränkt handlungsfähig ist, dann leidet der gesamte Standort Deutschland", ist der OB sicher. Und auch beim Klimaschutz sieht er die Stadt auf einem guten Weg: "Wir haben Millionensummen in die energetische Gebäudesanierung investiert, gleichzeitig bauen wir unser Fernwärmenetz aus. Bei den ganz großen Themen haben wir in Offenburg gemeinsam an Fahrt aufgenommen.

Kritische Stimmen gibt es zur Entwicklung der Innenstadt, dem Bahnhofsumfeld, aber auch bei den Wartezeiten auf einen Platz in der Kinderbetreuung – ein Thema, auf das der OB im Wahlkampf großen Wert legte. "Der Bahnhof ist kein Aushängeschild", stellt Steffens fest. Das hätten Stadt und Deutsche Bahn erkannt und nicht umsonst den Zuschlag für das Sanierungsgebiet Bahnhof/Schlachthof erhalten. "2032 wird der Bahnhof nicht mehr so aussehen wie heute", blickt Steffens in die Zukunft. Die Stadt habe nicht umsonst so viele Grundstücke wie möglich dort gekauft: "Wir müssen das Bahnhofsumfeld verbessern: Es soll sicherer und qualitativ aufgewertet werden." Alles, was Frequenz bringe, solle so nahe wie möglich an die Innenstadt. "Corona hat Spuren in der Innenstadt hinterlassen", beschreibt Steffens die Situation. "Aber auch, wenn wir an prominenter Stelle einzelne Leerstände haben, sieht die Lage doch insgesamt gut aus. Die Kaufkraft in der Stadt liege bei 176 Prozent, da sie auch aus dem Umland getragen werde. "Deshalb ist mir eine gute, konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den City Partner wichtig", betont Steffens. Gleiches gelte für die Gastronomie. "Bei einem Treffen mit der Gastroinitiative wurde deutlich, dass die Formate des Stadtmarketings eine wichtige Rolle spielen, wie auch Veranstaltungen in der Messe Offenburg. Gerade die TV-Produktionen wirken sich positiv auf die Innenstadt aus", erklärt Steffens.

Beim Thema Kinderbetreuung sieht Steffens die Stadt grundsätzlich gut aufgestellt: "Gut ein Drittel der Ganztagsplätze sowohl im Ü3- als auch im U3-Bereich im Ortenaukreis entfallen auf die Stadt Offenburg, obwohl hier nur 14 Prozent der Gesamtbevölkerung lebt. Wir haben ein umfangreiches Angebot, vielfältiger als der Landesdurchschnitt. Doch das holt uns nun ein, weil das Personal fehlt." Die Vielfalt erfordere nämlich, dass im Schichtbetrieb gearbeitet werde. "Wir stellen in dieser Woche unser Konzept für die Zukunft vor", kündigt der Oberbürgermeister an.



Die Stadt als attraktive Arbeitgeberin zu etablieren, ist eines seiner Ziele. "Wir haben 81 verschiedene Berufsfelder zu bieten", wirbt Steffens für sein Anliegen. "Leider hat die öffentliche Verwaltung immer noch den Anstrich, uncool zu sein, dabei haben wir über das ganze Leben Berührungspunkte mit den Menschen. Was gibt es Sinnstiftenderes?"

Ohne starke Wirtschaft keine soziale Stadt

Die attraktive Infrastruktur der Stadt – angefangen von den Bildungsstätten bis zum kulturellen Angebot – sei wichtig für den Wirtschaftsstandort Offenburg. "Ohne eine starke Wirtschaft können wir keine soziale Stadt sein", betont Steffens. 50.000 Arbeitsplätze gebe es in der Stadt: "Das muss begleitet und unterstützt werden." Deshalb hat sich Steffens auch klar in Sachen Flugplatz positioniert: "Den Flugplatz zugunsten eines Wertschöpfungsgebiets aufzugeben ist notwendig und richtig.", macht er sich für die Umwandlung in ein Gewerbegebiet stark. Kultur, Freiheit, Bildung und soziale Teilhabe – das alles könne es nur durch eine starke Wirtschaft geben.

Die Stadt müsse mehr für Innovationen und die Wirtschaft tun. "Wir haben für reine Wirtschaftsförderung bislang 12.000 Euro im Jahr ausgegeben. Das ist lächerlich wenig", so Steffens. Als Leuchtturm-Projekt sieht er die Entwicklung des Canvas-Gebiets in der Stadt, das auch städtebaulich laut Steffens auf Innovation und Nachhaltigkeit setze. 285 Wohnungen hätten allein Stadtbau und Wohnbau in den vergangenen Jahren gebaut, 55 Millionen Euro in den Wohnungsbau und weitere 16 Millionen Euro die energetische Sanierung des Bestandes gesteckt. Doch wird die Stadt weiter wachsen? "Mir geht es nicht um quantitatives, sondern um qualitatives Wachstum", erklärt der OB. Deshalb sei das Baulückenkataster aufgestellt worden, um festzustellen, wo es noch Entwicklungschancen gebe.

Er sieht die Stadt gut aufgestellt: "Sie haben alles, was Sie brauchen, um ein gutes und glückliches Leben zu führen", erklärt Marco Steffens und betont, er sei nicht nur Oberbürgermeister, sondern auch Bürger dieser Stadt. "Sie können als junger Mensch hier leben, aber auch älter werden. Offenburg hat für jede Altersklasse etwas Attraktives zu bieten." Darüber hinaus habe die Stadt als Oberzentrum zwischen Karlsruhe und Freiburg eine überörtliche Funktion für die Raumschaft. "Das Wichtigste ist ein guter gesellschaftlicher Zusammenhalt in der Stadt, damit wir die multiplen Krisen und Herausforderungen meistern können. Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen, sondern uns als Gesellschaft daran gewöhnen, dass wir immer wieder in einer Art Krisenmodus sein werden", betont Steffens. "Aber bei allen Herausforderungen, es geht uns gut und wir sollten uns nicht spalten lassen."

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