Häusliche Gewalt nimmt zu
Polizei begrüßt Fußfessel für Täter

Sonja Hoffmann (v. l.), Carina Huber und Jürgen Rieger  | Foto: gro
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Offenburg (gro) Nicht nur bundesweit, auch in der Ortenau steigen die Zahlen von Fällen häuslicher Gewalt. "2023 und 2024 lagen sie mit 1.019 und 1.016 nahezu gleich", so Polizeipräsident Jürgen Rieger im Rahmen eines Pressegesprächs. Landesweit waren sie um acht Prozent gestiegen. Doch diese Stagnation ist nun Geschichte: "Wenn wir die ersten Halbjahre 2024 und 2025 vergleichen, verzeichnen wir eine Zunahme um 20 Prozent", erklärt Rieger - und das Jahr sei noch nicht vorüber. 

Karen Stürzel von der Pressestelle gibt drei aktuelle Beispiele aus dem Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg: So wurde die Polizei zu einem Fall gerufen, bei dem sich Ehepartner gegenseitig schwer angegriffen hatten. Die Kinder öffneten der Polizei. In Lahr verletzte ein Senior seine Ehefrau schwer und in einem weiteren Fall in Rastatt riefen Nachbarn nach Hilferufen die Polizei - eine Anzeige wegen Körperverletzung läuft derzeit. "Oft werden diese aber zurückgezogen", weiß Stürzel.

In allen Gesellschaftsschichten

Carina Huber von der Kriminalitätsbekämpfung gibt einen kurzen Überblick: Unter das Deliktfeld fällt die Gewalt in Paarbeziehungen. "Es handelt sich überwiegend um körperliche Gewalt, Nachstellungen und Bedrohungen", erklärt die Polizistin. Die meisten Täter seien zwischen 21 und 59 Jahren alt, 83 Prozent der geschädigten Personen seien weiblich. "Häusliche Gewalt gibt es nicht nur in sozial schwachen Familien", macht Huber deutlich. Sie komme in allen Schichten vor und 58 Prozent der Geschädigten würden dabei verletzt, größtenteils leicht.

Aber: "Die Dunkelziffer ist hoch", erklärt Carina Huber. Viele Betroffene würden sich nicht beim ersten Übergriff Hilfe holen. Gründe dafür seien Scham, aber auch finanzielle Abhängigkeit vom Täter oder die Angst, dass die Familie auseinanderbricht. "Betroffene wurden sechs bis sieben Mal zum Opfer, bevor erste Schritte zur Hilfe gewagt werden", weiß Polizeipräsident Jürgen Rieger. 

Prävention 

Die Ursachen für den Anstieg der Zahlen liegen unter anderem daran, dass die Präventionsmaßnahmen greifen. So würden sich Opfer früher trauen, eine Anzeige zu machen. Doch nicht nur die Betroffenen selbst seien für das Thema sensibilisiert, auch das Umfeld. "In Mehrfamilienhäusern können die Nachbarn reagieren, wenn sie etwas mitbekommen", beschreibt Carina Huber. 

Schließlich schildert sie das Vorgehen der Polizei in solchen Fällen: Bei einem Notruf würde der Streifendienst an den Einsatzort fahren. Dort würden Beweise gesichert, die Kollegen würden sich um den Schutz des Opfers und auch der Kinder kümmern. "Es ist immer herausfordernd - für die Betroffenen und die Kollegen", so Huber. Die Weiterverfolgung würde durch speziell geschulte Kollegen der Kriminalpolizei erfolgen. So würde eine Gefährdungsanalyse vorgenommen, um das Risiko für die Geschädigten zu ermitteln. Dies erfolge nach einem wissenschaftlich standardisierten Verfahren. Schließlich gehe es darum, den bestmöglichen Schutz für die Personen zu organisieren. "Es ist wichtig, dass Vertrauen zur Polizei aufgebaut wird. Wir binden die örtlichen Fachstellen mit ein", stellt Carina Huber dar.

24-Stunden-Hilfe-Telefon

Ihre Kollegin Sonja Hoffmann ist in der Prävention tätig. Gemeinsam mit den Beratungsstellen "Häusliche Gewalt" bringt sie das Thema in die Öffentlichkeit. "Häusliche Gewalt ist keine Privatsache", stellt sie fest. So wird mit Schulen zusammengearbeitet, um frühzeitig zu informieren und aufzuklären. In der Broschüre "Opferschutz" oder dem Faltblatt "Häusliche Gewalt" des Landes werden Tipps, Hinweise und wichtige Adressen oder Telefonnummer weitergegeben. "Das Hilfetelefon 'Gewalt gegen Frauen' unter 0800/116016 ist rund um die Uhr besetzt", wirbt Sonja Hoffmann. Immer mit im Boot sind die lokalen Akteure in diesem Bereich. "Die Zusammenarbeit im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg ist sehr gut", lobt Hoffmann. 

Auch wenn es bereits ein Bündel von Maßnahmen in Sachen Opferschutz gibt, der Polizeipräsident begrüßt den jüngsten Gesetzesentwurf der Bundesjustizministerin, der die Einführung einer Fußfessel für Täter enthält. Nach spanischem Vorbild sollen die Geschädigten dann benachrichtigt werden, wenn sich der Täter ihnen nähert. So können sie sich im Vorfeld schützen, indem sie die Polizei rufen.

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