Gefahr durch Zecken
Borreliose-Erkrankungen auf dem höchsten Stand

Die Ortenau ist Hochrisikogebiet.
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  • Foto: AOK-Mediendienst
  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Ortenau (ag). Die Bedrohung durch Covid-19 sowie die Auswirkungen der Corona-Krise lassen anderes in den Hintergrund rücken. Deshalb hat mancher das Thema Zecken völlig aus den Augen verloren. Dabei zählt die Ortenau zum Hochrisikogebiet. Die Guller-Redaktion hat deshalb bei der AOK Südlicher Oberrhein nachgefragt.

Fünf-Jahresvergleich

"Während man sich gegen die Frühsommer-Meningozephalitis – kurz FSME – mit einer Impfung schützen kann, kann Borreliose nur nachträglich mit Antibiotika behandelt werden", so Pressesprecher Frank Kölble. "Die Zahl der Borreliose-Erkrankungen in der Ortenau ist im Fünf-Jahresvergleich auf dem höchsten Stand. 2014 zählt die AOK 613 Versicherte, die sich in ärztlicher oder stationärer Behandlung befanden, 2018 waren dies 784 Erkrankte. Dies entspricht im Fünf-Jahresvergleich einer Veränderungsrate von plus 4,8 Prozent. Am meisten betroffen sind die Altersgruppen der 50- bis 69-Jährigen."

Wanderröte

Borreliose kann laut Kölble unterschiedlich schwer verlaufen, betrifft meist die Haut, das Nervensystem und die Gelenke: „Ganz typisch ist die sogenannte Wanderröte. Sie entwickelt sich einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich. Das wird oft begleitet von grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. Diese können durchaus den Beschwerden nach einer Corona-Infektion ähneln.“

Entzündungen oder Rhythmusstörungen

Monate oder gar Jahre nach der Infektion könne es zu Gelenkentzündungen als späte Folge einer unbehandelten Borreliose kommen. Auch Entzündungen oder Rhythmusstörungen des Herzens oder eine Entzündung des Gehirns und Rückenmarks würden beobachtet. Frank Kölble warnt davor, das Borreliose-Risiko zu unterschätzen: "In Baden-Württemberg zählte die AOK 2018 über 17.000 an Borreliose erkrankte Versicherte, exakt 9.741 Frauen und 7.438 Männer. Auch im Land ist die Tendenz steigend. In der Region am südlichen Oberrhein, also dem Ortenaukreis, den Landkreisen Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und der Stadt Freiburg, erfasste die AOK-Statistik 1.356 erkrankte Versicherte. Die benachbarten Landkreise sind deutlich weniger betroffen. Im Landkreis Emmendingen waren es 224 AOK-Versicherte, im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald 221 und in Freiburg 127."

Typische Stichstellen

Der Pressesprecher rät, bei Spaziergängen in hohem Gras geschlossene Schuhe, lange Hosen und lange Ärmel zu tragen. "Nach dem Aufenthalt im Freien sollte immer kontrolliert werden, ob sich Zecken an Kleidung oder Körper festgesetzt haben. Besonders bevorzugen Zecken Stichstellen am Haaransatz, an Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeugen, Bauchnabel, Genitalbereich oder Kniekehlen", so Kölble. Habe sich eine Zecke festgebissen, dann sollte diese so schnell wie möglich entfernt werden: „Am besten geht das mit einer Zeckenkarte. Bei einer Zeckenzange oder einer Pinzette besteht die Gefahr, dass die Zecke gequetscht wird und diese gefährliche Körperflüssigkeit in die Wunde gibt. Dann sollte die Wunde ein paar Tage beobachtet werden. Wer eine kreisförmige Rötung der Haut um die Stichstelle feststellt, der sollte unbedingt zum Arzt gehen."
Die Ständige Impfkommission empfiehlt laut Kölble Menschen in Baden-Württemberg eine entsprechende FSME-Impfung. Schützende Antikörper würden nach etwa sieben bis 14 Tagen gebildet. Deshalb würde eine nachträgliche Impfung mit großer Wahrscheinlichkeit eine Infektion nicht verhindern können. Die Kosten der FSME-Impfung würden von den Krankenkassen bezahlt.

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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