Corona-Sommerwelle macht nur Pause
Keine Herbst-Prognose ohne Kristallkugel

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und Tests liegen derzeit in der Eigenverantwortung der Menschen.  | Foto: gro
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  • Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und Tests liegen derzeit in der Eigenverantwortung der Menschen.
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Ortenau (gro/ds). Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und Bundesjustizminister Marco Buschmann haben ein Paket mit Corona-Maßnahmen für den Herbst vorgelegt. Die wichtigsten Punkte: Es soll ab 1. Oktober bundesweit eine Maskenpflicht im Luftverkehr, öffentlichen Personenfernverkehr sowie in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gelten. In Letzteren soll zudem eine Testnachweispflicht gelten. Die Länder können weitere Maßnahmen ergreifen, je nachdem, wie sich die Pandemie entwickelt. Dem Entwurf muss nicht nur der Bundestag, sondern auch der Bundesrat noch zustimmen.
In der Ortenau wurde der Scheitel der Sommerwelle überschritten: Am 27. Juli lag die Inzidenz bei 696,3, am 3. August sank sie auf 537. Allerdings gehen Experten, so das Landratsamt Ortenaukreis, von einer hohen Zahl nicht erfasster Fälle aus. Der Grund: Viele Infizierte machen keinen PCR-Test und nur diese werden vom Robert-Koch-Institut (RKI) erfasst.

Im Urlaub vorsichtig verhalten

"Die aktuell hauptsächlich verbreitete Variante BA.5 ist sehr ansteckend und kann leicht übertragen werden", warnen die Experten aus dem Landratsamt. Deshalb werde zum Ende der Sommerferien – wie bereits in den Vorjahren – mit einem Anstieg der Infektionszahlen gerechnet. "Deshalb ist es ratsam, sich auch im Urlaub vorsichtig zu verhalten, selbst wenn es am Reiseziel nur noch wenige oder gar keine obligatorischen Vorsichtsmaßnahmen wie das Maskentragen gibt", empfiehlt das Landratsamt.

Dass Corona keinen Sommerurlaub macht, zeigen die Zahlen aus den Pflegeheimen: 51 sensible Einrichtungen im Kreis haben an Corona erkrankte Personen gemeldet. "Bei 18 handelt es sich um Einzelfälle, bei 33 handelt es sich um Ausbrüche", so das Landratsamt. Das Gesundheitsamt stehe in Kontakt mit den Einrichtungen, berät und begleitet sie bei den erforderlichen Maßnahmen. Ausbrüche in Kindertagesstätten oder Schulen würden derzeit nicht mehr gesondert erfasst, bei Bedarf finde eine Beratung statt.

Erst- und Auffrischimpfungen

Durchschnittlich 100 Besucher pro Öffnungstag lassen sich im Kreisimpfzentrum (KIZ) in Lahr derzeit impfen. Der stärkste Tag war der 17. Juli mit 166 Impfungen. "Auf rund 960 Impfungen im Juli fallen in etwa 60 Erstimpfungen", so das Landratsamt. Insbesondere die zweite Auffrischimpfung würde von Personen über 70 Jahren oder mit Bezug zu Hochrisikogruppen wahrgenommen. Das seien im Juli etwa 600 Impfungen gewesen. Bis zum 30. September wird es das KIZ auf jeden Fall geben. Wie es dann mit den Impfzentren weitergeht, werde derzeit von der Landesregierung erarbeitet. Die Frage sei, ob die Regelstrukturen die Impfungen übernehmen könnten. In Lahr stehe ausreichend Impfstoff bei freier Auswahl für Personen über 18 Jahren zur Verfügung, Kinder und Jugendliche erhalten nur den für sie zugelassenen Impfstoff von Biontech. Auch wenn die Wirksamkeit der Impfung vor einer Ansteckung der Omikron-Variante geringer sei, böte diese einen guten Schutz gegen schwere Verläufe.

"Die Pandemie ist kein statisches Ereignis", so das Landratsamt mit Blick auf den Herbst. Dynamische Veränderungen habe man mehrmals erlebt. "Für unseren aktuellen Wissenstand über Covid und die aktuell vorherrschende Variante haben wir uns im Landratsamt gut aufgestellt." Nachdem viele Vorgaben und Einschränkungen weggefallen seien, läge die Verantwortung für die Beibehaltung wichtiger Schutzmaßnahmen im Moment beim Einzelnen.

Die Lage im Ortenau Klinikum

Dass wir derzeit mitten in der Corona-Sommerwelle stecken, spürt das Ortenau Klinikum deutlich: "Anders als in den vergangenen beiden Jahren legt Corona in diesem Jahr keine Sommerpause ein", so Dr. Andreas Schröder, Chefarzt der Klinikhygiene am Ortenau Klinikum .

Das könne mit der aktuell vorherrschenden Variante des Virus zu tun haben, ganz sicher aber auch damit, dass präventive Maßnahmen spürbar gelockert wurden. "Hatten wir im Juli vergangenen Jahres gerade noch drei Corona-Patienten im gesamten Klinikum und keinen mehr auf Intensivstation, haben wir heute derzeit um die 60 Patienten zu versorgen. Auf der Intensiv-Station liegen aktuell vier Patienten, von denen zwei beatmungspflichtig sind", berichtet Schröder. Allerdings spüre man derzeit eine leichte Entspannung, nachdem die Anzahl der Corona-Fälle in der zweiten Juli-Hälfte gestiegen sei.

Corona-Patienten würden in allen Häusern des Ortenau Klinikums behandelt werden. Wer wegen einer anderen Erkrankung dort Patient sei und dabei auch Corona-positiv getestet wurde, liege nach Möglichkeit in der Fachabteilung, die sich um sein Hauptleiden kümmert. "Wer zum Beispiel wegen eines Beinbruchs stationär behandelt werden muss, liegt in der Unfallchirurgie, weil man dort am besten behandelt werden kann. Damit sich kein anderer Patient ansteckt, liegt man dort natürlich isoliert von den anderen", erklärt Andreas Schröder. Aktuell könnten aber nicht alle Operationen wie geplant ausgeführt werden. Der Grund: "Neben den Einschränkungen durch die Betreuung von Corona-Patienten leiden wir im Personal allgemein unter einem ungewöhnlich hohen Krankenstand", berichtet er. Dennoch stünden alle Fachabteilungen zur Verfügung, die aktuelle Situation führe jedoch zur Schließung einiger Krankenhausbetten.

Keine Prognose für Herbst möglich

Und der Blick auf den Corona-Herbst? "Ohne Kristallkugel lässt sich im Moment gar keine Prognose für den Herbst abgeben. Es kann sein, dass durch die aktuell gelockerten Maßnahmen bis dahin so viele Mitmenschen frisch infiziert waren, dass wir von einer guten Herdenimmunität geschützt werden. Auf der ganz anderen Seite könnte es natürlich auch sein, dass uns eine neue Variante große Zahlen behandlungsbedürftiger Patienten beschert. Corona hat uns in den vergangenen Jahren immer wieder unvorhersehbare Aufgaben gestellt", stellt Dr. Andreas Schröder fest. Wie immer könne man in dieser Pandemie nur „auf Sicht“ fahren. Mit jeder Welle habe man dazu gelernt, besser auf neue Situationen zu reagieren. "Wir haben viel über dieses Virus gelernt und wie wir uns angemessen dagegen schützen können. Für den Herbst erwarten wir angepasste Impfstoffe, die uns besser vor Ansteckung bewahren sollen", so Schröder. Trotzdem müsse man sich darauf vorbereiten, vielen Corona-Patienten zu helfen, ohne anderen Menschen, die Hilfe brauchen, diese vorzuenthalten.

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und Tests liegen derzeit in der Eigenverantwortung der Menschen.  | Foto: gro
Rund 60 Corona-Patienten werden derzeit im Ortenau Klinikum behandelt. | Foto: ag

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