• 6. Juli 2018, 17:55 Uhr
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Ausstellung in Stuttgart
Die unbekannte Sammlung

Ernst Ludwig Kirchner, Drei Akte im Grünen
Ernst Ludwig Kirchner, Drei Akte im Grünen
(Foto: Staatsgalerie Stuttgart, Grafische Sammlung)

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) hat alle Höhen und Tiefen des Lebens durchlaufen. Selbstbewusst bis zum narzisstischen Geltungsdrang war er rastlos in seiner Arbeitswut. 2018, im 80. Todesjahr des Künstlers, präsentiert die Graphische Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart ihren großen Schatz von 82 Zeichnungen sowie 84 Druckgrafiken und elf illustrierten Büchern von Kirchner, der die "Künstlergemeinschaft Brücke" mitbegründete.

Alle seine Schaffensperioden und wichtigen Themen wie Großstadt und Tanz, Landschaften auf Fehmarn und die Alpen sind in diesem bemerkenswerten Bestand vertreten. Vor allem Kirchners Druckgrafik ist außergewöhnlich, gibt es die einzelnen Blätter doch nur selten in Auflagen, sondern oft nur in jeweils wenigen Handdrucken. Begleitend zur Ausstellung "Ernst Ludwig Kirchner. Die unbekannte Sammlung" zeigt die Staatsgalerie im Grafik-Kabinett Blätter weiterer Mitglieder der "Künstlergemeinschaft Brücke": Fritz Bleyl, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Emil Nolde, Max Pechstein und Otto Mueller sind mit Zeichnungen, Holzschnitten, Radierungen und Lithografien aus dem reichen Bestand der Grafischen Sammlung vertreten. Die Ausstellung lässt die Faszination und Sinnlichkeit erfahren, die für Kirchner in der Kunst der Graphik lag.

Nach nunmehr 38 Jahren präsentiert das Museum erstmals wieder den kompletten Bestand der Sammlung Kirchner, ergänzt durch einige Dauerleihgaben aus einer Privatsammlung.Alle in den 1920er-Jahren erworbenen Druckgrafiken Ernst Ludwig Kirchners wurden 1937 als entartet beschlagnahmt, so dass erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem erneuten Aufbau der Sammlung begonnen werden konnte. Als Provenienz wurde bisher die Sammlung Dr. Gervais, Zürich/Lyon angegeben. Ein Forschungsprojekt der Staatsgalerie Stuttgart hat aufgezeigt, dass alle Blätter aus dem Nachlass des Künstlers beziehungsweise seiner Witwe Erna Kirchner stammen und dass die Sammlung Gervais offenbar eine Erfindung des Kirchner-Schülers Christian Laely (1913-1992) war, um die Werke trotz Vermögenssperre nach Deutschland verkaufen zu können. Die Ausstellung richtet den Blick auf diesen unbekannten Teil der bedeutenden Sammlung in der Staatsgalerie und lässt die Faszination und Sinnlichkeit erfahren, die für Kirchner in der Kunst der Graphik lag.

Info: Die Ausstellung "Ernst Ludwig Kirchner. Die unbekannte Sammlung" in der Staatsgalerie Stuttgart ist noch bis zum 21. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten sind täglich von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Erwachsene zahlen 11,50 Eintritt. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es im Internet unter www.staatsgalerie.de.

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