Pflasterstube St. Ursulaheim
Wo Obdachlosen und Armen geholfen wird

Das Team des Pflastermobils um Ute Feibicke-Vogt (2 v.li.)  kann an Brennpunkten vor Ort medizinische Hilfe leisten.
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  • Das Team des Pflastermobils um Ute Feibicke-Vogt (2 v.li.)  kann an Brennpunkten vor Ort medizinische Hilfe leisten.
  • Foto: Thekla Fey
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Offenburg (tf). Wer dem kleinen Schild „Pflasterstube“ folgt, gelangt zu dem kleinen Behandlungszimmer auf der Rückseite des St. Ursulaheimes. Dort bemüht sich Fachkrankenschwester Ute Feibicke-Vogt gemeinsam mit ehrenamtlich tätigen Medizinern und weiteren Kollegen Menschen zu helfen, die sonst keine Hilfe erhalten.

„Die durchschnittliche Arzt-Praxis hat eine 'Komm-Struktur': Wir können, wenn wir uns krank fühlen, zum Arzt gehen. Das ist bei den kranken Menschen der Straße und der Armut alles ganz anders“, erklärt sie. Psychische Hemmungen wie Aussehen, Scham oder ein Hund stehen der „Komm-Struktur“ entgegen. Dazu kommt oft ein verloren gegangenes Zeitgefühl: Ein Termin kann nicht vereinbart oder wahrgenommen werden.

Start Mitte der 90er Jahre

Als Krankheit gilt bei Obdachlosen oft nur hohes Fieber oder eine frische Wunde. "Doch wir werden mit dem gesamten Krankheitsspektrum konfrontiert", sagt der ehrenamtlich tätige Arzt Gerhard Seyfert. Mangelnde Hygienemöglichkeiten machen alles nur noch schlimmer. „Das Gespür für den eigenen Körper geht verloren, auf der Straße sowieso, aber bei zunehmender Armut ebenfalls, je länger, je mehr. Das führt zu mangelnder Krankheitseinsicht“, erklärt Feibicke-Vogt. Darum steht gerade die Beziehungsarbeit im Vordergrund. „Menschen, die seit Jahren außerhalb unserer Gesellschaft leben, brauchen einfach Zeit, um andere an sich heran zu lassen“, so die Krankenschwester.

Begonnen hatte es Mitte der 90er Jahr mit dem Altenpfleger Wilhelm Rosenberg, der selbst von Wohnungslosigkeit betroffen war. Als er ins St. Ursulaheim kam, konnte er es nicht mehr mit ansehen, wie unterversorgt seine kranken Mitbewohner waren und begann, ihnen so gut er konnte, Hilfe zu leisten. Ferner nahm er Kontakte zu Offenburger Allgemeinärzten auf. Im Jahre 2008 wurde dann der Förderverein Pflasterstube gegründet, der sich bis heute ausschließlich aus Spenden finanziert. Mit Unterstützung der Offenburger Bürgerstiftung St. Andreas konnten ein Pflegebad, ein Krankenzimmer und ein kleines Büro eingerichtet werden.

Pflasterstube

Vor einigen Jahren stellte die AGJ Wohnungslosenhilfe im St. Ursulaheim ein Behandlungszimmer – die heutige Pflasterstube – zur Verfügung. „Wenn nötig, bezahlt der Förderverein für die Betroffenen die Zuzahlung zu Medikamenten, nicht verschreibungspflichtige Medikamente, Verbandsstoffe oder auch eine Brille, um die Teilnahme am normalen Leben zu erleichtern“, erläutert Hannes Schadeberg, der Schatzmeister des Fördervereines. „Alle medizinischen Leistungen der Pflasterstube werden durch den Solidaritätsfonds finanziert, in dem sich vor allem Offenburger Bürgerinnen und Bürger verpflichten, für zwei Jahre in einer ihnen möglichen Höhe Geld zu spenden“, so Schadeberg.

Ehrenamtliche Ärzte

Besonders der ehrenamtliche Einsatz der ärztlichen Kollegen sei immens wichtig. „Wir haben sogar eine Kieferorthopädin, die mit ihrer mobilen Praxis kommt“, freut sich Feibicke-Vogt. Doch nicht alle Hilfsbedürftigen kommen in die Pflasterstube – also kommt die Pflasterstube zu ihnen. „Nach der großartigen Hilfe einer Spendenaktion konnte das Pflastermobil, ein für unsere Zwecke umgebautes Wohnmobil, seine Arbeit aufnehmen“, berichtet Schadeberg.

Die zunehmende Anzahl der Obdachlosen, die die Hilfe der Pflasterstube in Anspruch nahmen, zeigt, dass diese immer mehr eine zentrale Funktion bei der medizinischen und sozialen Versorgung wahrnimmt. Die Anzahl der pflegebedürftigen Obdachlosen steigt. Meist haben sie keinen Zugang zu einem Pflegeheim. „Wir wollen ihnen einen Raum bieten, in dem sie sich wohlfühlen und trotzdem ausreichend betreut werden, dazu entwickeln wir gerade passende Konzepte“, so Eva Christoph, Leiterin des St. Ursulaheims.

Das Team des Pflastermobils um Ute Feibicke-Vogt (2 v.li.)  kann an Brennpunkten vor Ort medizinische Hilfe leisten.
Das Team des Fördervereines in der Pflasterstube
Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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