Die Geschichte der Hornisgrinde: Weideflächen, Militärnutzung und Ausflugsziel
Einzigartige Region voller Sagen und Erlebnisse

Premiumwege auf der Hornisgrinde laden zum Wandern ein.
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Achertal (gat). Mächtig erhebt sich der breite Rücken der Hornisgrinde aus dem Rheintal, mit einer Höhe von 1.164 Metern ist sie der höchste Berg des Nordschwarzwalds. Das allein schon hebt sie aus der Region heraus. Ihr zwei Kilometer langes Hochplateau von Nord nach Süd, das im südlichen Teil von einem Hochmoor bedeckt ist, sowie der sagenumwobene Mummelsee unterhalb der südöstlich abfallenden Karwand machen die Hornisgrinde und die Hornisgrinderegion sogar einzigartig. Die Stadt Achern nennt die Hornisgrinde ihren Hausberg, die Achertalgemeinden Kappelrodeck, Ottenhöfen und Seebach sowie Sasbachwalden profitieren touristisch von Hornisgrinde und Mummelsee, können sie doch ihren Gästen eine faszinierende Landschaft und Höhenwanderungen mit herrlichem Panoramablick anbieten. Nicht zuletzt hat vor zwei Jahren der neu gegründete Nationalpark Schwarzwald die Attraktion der Region noch einmal deutlich erhöht.
Der Name Hornisgrinde geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Bestandteile „Horn“, „Miss“ und „Grind“ zurück, was so viel wie „felsiger, kahler Kopf, der ein Moor trägt“ bedeutet. Die Grinden auf der Hochfläche sind Feuchtheiden und sie entstanden nach der Rodung und Nutzung als Weideflächen ab dem 15. Jahrhundert, das Hochmoor auf der Hornisgrinde dagegen ist wohl mindestens 6.000 Jahre alt. Stallhaltung und Heumahd führten dazu, dass die Beweidung der Grindenflächen im vergangenen Jahrhundert ganz eingestellt wurde. 1997 aber starteten Forstämter, Kommunen und das ehemalige Naturschutzzentrum am Ruhestein ein Pilotprojekt, um auf ausgesuchten Grindenflächen wieder die Beweidung zu praktizieren, so auch auf dem Hornisgrindeplateau. Das Projekt ist heute Standard, sowohl Rinder als auch Schafe und Ziegen gehören nun wieder zum Erscheinungsbild auf einem Band von waldfreien Grindeflächen.
In den 90er-Jahren wurde auch wieder die Möglichkeit geschaffen, sich auf dem Hochplateau auf den ausgewiesenen Wegen frei zu bewegen. Viele Jahre war das nicht möglich, denn die meiste Zeit des vergangenen Jahrhunderts war die Hornisgrinde militärisches Sperrgebiet. Das begann 1938, nachdem schon ab 1930 Segelflug auf der Hornisgrinde betrieben worden war. Zunächst wurde die gesamte südliche Fläche von der deutschen Luftwaffe genutzt, nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten die französischen Luftstreitkräfte das Sperrgebiet und schließlich wurde der Militärstützpunkt auch von Bundeswehr und NATO in Anspruch genommen. Vor nun bald 20 Jahren erwarben die angrenzenden Gemeinden nach dem Abzug des französischen Militärs das bundeseigene Gelände und machten es wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Insbesondere der ehemalige Aussichtsturm des Schwarzwaldvereins auf der Südseite profitierte davon, denn die Waldgenossenschaft Seebach, auf deren Grund und Boden er steht, erwarb ihn und übertrug ihn in Erbpacht an die Gemeinde Seebach. Diese ließ ihn restaurieren und ausbauen. Heute bietet sich aus seinem Belvedere auf der Turmspitze eine herrliche Rundumsicht bis hinüber in die Vogesen, in Richtung Südschwarzwald und Alpen sowie zur Schwäbischen Alb. Im Mai 2005 wurde er wieder eröffnet und im Juni 2005 ernannte die Denkmalstiftung Baden-Württemberg den Turm, den 1910 der Schwarzwaldverein gebaut hatte, zum Denkmal des Monats. Ein weiterer Aussichtspunkt auf der Hornisgrinde ist der Bismarckturm.
Nicht weniger beliebt als die Hornisgrinde ist auf ihrer südöstlichen Seite der Mummelsee, einer der wenigen erhaltenen Karseen im Schwarzwald. Der sagenumwobene Mummelsee zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an. Sie genießen den Rundweg um den See, der inzwischen auch barrierefrei ist, und lassen es sich im Berghotel Mummelsee gut gehen. Die ungewöhnliche Lage des Mummelsees und die urwüchsige Vegetation, die ihn umgibt, haben in den vergangenen Jahrhunderten eine ganze Reihe von Sagen über und um ihn entstehen lassen, angefangen von der Sage über die Herrschaft des Mummelseekönigs über die Nixen bis zur blauen Blume und zum Rattenpelzmann im Mummelsee. Eduard Mörike hat ihm das Gedicht „Die Geister am Mummelsee“ gewidmet, Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen hat ihm in seinem Roman vom „Abenteuerlichen Simplicissimus Teutsch“ ein literarisches Denkmal gesetzt, bildende Künstler haben sich auf dem Kunstpfad am Mummelsee von See und Landschaft inspirieren lassen.
Blickt man vom Katzenkopf am südwestlichen Ende der Hornisgrinde hinunter ins Achertal, sieht man die Gemeinden Seebach und Ottenhöfen harmonisch eingebettet in Täler und an Berghänge geschmiegt liegen, am Ausgang in die Ebene rundet Kappelrodeck das Bild ab. Jede Gemeinde hat ihren ganz eigenen Charakter und auch ihre eigenen Attraktionen. Bietet Seebach im Erzbergwerk Silbergründle einen Gang in die Arbeitswelt ehemaliger Erzknappen, so lädt Ottenhöfen dazu ein, auf seinem schönen Mühlenrundweg etwas von der Romantik ehemaliger Schwarzwaldmühlen zu spüren. Kappelrodeck mit seinem Ortsteil Waldulm ist ein Eldorado für Weinliebhaber. Mühlenromantik erlebt man auch auf dem Wasser-Mühlen-Technik-Weg in Seebach. Alle drei Gemeinden halten ein vielseitiges Erlebnisprogramm für Jung und Alt bereit, ein Alleinstellungsmerkmal hat im Sommer sicher das Ottenhöfener Natur-Erlebnisbad. Aus zahlreichen Wanderwegen ragen im Achertal der alpine Premiumwanderweg über den Karlsruher Grat, der Landwirtschaftliche Erlebnis-Pfad und der Premiumwanderweg Mummelsee-Hornisgrindepfad heraus. Ein Multimedia-Erlebnis wiederum bietet sich bei der Sagenwanderung „Hex vom Dasenstein“ an. In Sasbachwalden ermöglicht „Die Badische Genussmeile“ Genuss am laufenden Band bei Wein und ausgezeichneter Küche vom gemütlichen Gasthaus bis zum Gourmet-Restaurant – nicht zu vergessen, dass das Dorf ist mit seinen wunderschönen Fachwerkhäusern schon selbst zu jeder Zeit einen ausgedehnten Spaziergang wert ist.

Premiumwege auf der Hornisgrinde laden zum Wandern ein.
Das Turmfest im August auf der Hornisgrinde lockt jedes Jahr zahlreiche Wanderer und Ausflügler an.
Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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