Brauchtum im Kinzigtal
Fischessen und Geldbeutelwäsche

Die Fastnacht 2019 ist vorbei und in Wolfach wird heute, am Aschermittwoch ein Brauch zelebriert. Großes Wehklagen herrscht da bei der Geldbeutelwäsche.
  • Die Fastnacht 2019 ist vorbei und in Wolfach wird heute, am Aschermittwoch ein Brauch zelebriert. Großes Wehklagen herrscht da bei der Geldbeutelwäsche.
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  • hochgeladen von Daniela Santo

Mittleres Kinzigtal (cao). Die Rathausschlüssel sind zurückgegeben, der Narro begraben, die Fastnacht verbrannt und mit lautem Wehklagen vorbei. Der Aschermittwoch bringt mancherorts Ernüchterung mit sich, denn auch die Geldbeutel sind leer.

In Wolfach wird heute, am Aschermittwoch, mit der Geldbeutelwäsche ein lang gehegter und hingebungsvoller Brauch zelebriert. Mit trauriger Miene, in Trauerkleidung, in Frack, Gehrock und Zylinder gekleidet, ziehen die Mitglieder der "Wäschergilde" mit langen Bohnenstangen, an denen die leeren Gelbeutel und Wurzelbürsten hängen, durch das Wäschergässle, an der Klagemauer des Finanzamts vorbei, bis hin zum Stadtbrunnen, um unter großem Gejammer ihre Geldbeutel zu waschen und aufzuhängen. Dem leidvollen Ausklang der Fastnacht folgt auf die Trauerrede und Wiedereinsetzung des Bürgermeisters das traditionelle Stockfischessen.

Traurig geht es am Aschermittwoch auch in Haslach im Kinzigtal zu, wenn der Haslacher Narrenrat in Begleitung eines Trommlers ins Rathaus zieht. Schlag 11 Uhr wird der Rathausschlüssel an den Bürgermeister zurückgegeben und ein gemeinsames Heringsfrühstück eingenommen. Auch in Hausach laden die Spättle am Aschermittwochabend in den Narrenkeller zu ihrem schon traditionellen Fischessen ein. Verkleidet ist da niemand mehr und das Fischessen läuft ganz gemütlich ab.

Fastenzeit

Mit dem Aschermittwoch beginnt die vorösterliche Fastenzeit. Die Narren tobten sich vorher noch einmal so richtig aus. Ab heute wird in der "Passionszeit", 40 Tage lang bis Ostern allen Lastern entsagt, gefastet und gebetet und Buße getan. Diese Zeit erinnert an die 40 Tage, die Jesus fastend und betend in der Wüste verbrachte. Die genaue Fastenzeit umfasst eigentlich 46 Kalendertage, abzüglich der sechs fastenfreien Sonntage bis hin zum Karsamstag.

In der Nacht zu Aschermittwoch endet um Mitternacht somit auch die Fastnachtszeit. "D' Fasent isch vorbei, 's git koi wohre Fraid. Hätsch dii Mull mit Wasser griibe, wär dr's Geld im Baitel bliibe. D' Fasent isch vorbei", leiert der Hausacher Narrenrat die Litanei kurz vor der Anklage der Fastnacht und deren Verbrennung. Auch hier spielt der leere Geldbeutel eine Rolle, den der Scharfrichter unter dem Wehklagen der trauernden Narren ins Feuer wirft.

Nach Fastnacht kommt Bauernfastnacht

Auch wenn in der alemannischen Fastnachtszeit der Trubel vorbei ist, gibt es doch noch einige Gelegenheiten, fastnachtliches Brauchtum zu feiern. Diese kommt nämlich daher, wie die alte Fastnacht – die Bauernfastnacht. Sie wird unter anderem noch in Hornberg-Reichenbach gefeiert. Geläufig heißt es zwar, "daher kommen wie die Alte Fastnacht", wenn etwas einfach zu spät stattfindet, doch die Bedeutung der Redewendung ist nicht ganz richtig. Denn wirklich zu spät ist die Bauernfastnacht oder "Alte Fastnacht" nicht. Sie fällt zwar in die heutige Fastenzeit, die alte Fastnacht ist aber ein Überbleibsel des ursprünglichen Beginns der Passionszeit.

Auf der Synode von Benevent im Jahr 1091 wurde die Herrenfastnacht – die "normale" Fastnacht zwischen Schmutzigem Donnerstag und Aschermittwoch – vorverlegt. Die Sonntage wurden aus dem Fastengebot herausgenommen und weil es 40 Fastentage bis Ostern sind, musste die entsprechende Zahl vor ihren bisherigen Beginn gesetzt werden. Vor allem auf dem Land wurde am alten Termin festgehalten, deshalb endet die Fastnacht für sie erst am Funkensonntag nach Aschermittwoch.

Die Volksfastnacht wurde ursprünglich am Sonntag Invocavit gefeiert, eine Woche später also als heute.

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