Trotz Angst für die Kunden da
Lebensmitteleinzelhandel wird gefordert

Schutzschilde aus Plexiglas schützen die Kassierin und die Kunden vor möglicher Ansteckung.
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Ortenau (gro). Weitermachen, wenn alles still steht: In der Serie "Unsere Helden" stellen wir diejenigen vor, die in der Coronakrise dafür sorgen, dass der Alltag in der Ortenau weiterläuft. Das gilt vor allen Dingen für die Versorgung mit Lebensmitteln.

"Mittlerweile hat sich die Lage, was Hamsterkäufe angeht, beruhigt", stellt Niclai Bär, Hausleiter Edeka Kohler Lahr, fest. "Der Kunde versteht, dass es nichts bringt, da unsere Warenversorgung gut funktioniert. Die Maschine läuft weiter und das ist auch gut so. Probleme gibt es allerdings nach wie vor im Bereich Mehl, Hefe und Toilettenpapier. Hier ist aber auch schon eine deutliche Besserung in Sicht und wir bekommen auch immer regelmäßiger Ware." Eine Beobachtung, die Carolin Timm, Edeka Timm-Zinth in Offenburg, bestätigt: "Die Situation hat sich mittlerweile entspannt, nach Ostern hat sich der Betrieb wieder auf normalem Niveau eingependelt."

Zeit der Hamsterkäufe

Zuvor waren ihre Mitarbeiter wie überall im Einzelhandel stark gefragt. "Die Zeit der Hamsterkäufe Ende Februar war heftig", sagt Carolin Timm. "Anfangs wurden wir total überrannt. Daraufhin wurde es notwendig, die Abnahmemengen zu begrenzen und Waren nur in haushaltsüblichen Mengen abzugeben. Wir haben einen Sicherheitsdienst beauftragt, der die Kundenzahl im Markt überwacht und – falls notwendig – den Zutritt begrenzt. Dieser weist die Kunden ebenfalls auf die Abstandsregelung hin." Und auch Harald Baumann, Edeka Baumann in Hornberg, stellt fest: "Der Stresslevel ist natürlich viel höher als sonst, da wir einerseits mehr Arbeitsbelastung haben und andererseits die Angst vor einer Ansteckung zunimmt." Zudem fehlt so manchen Kunden das Verständnis dafür, dass die Regale nicht immer voll sind. "Wir versuchen, im Gespräch mit den Kunden Alternativen anzubieten, aber wenn kein Klopapier vorhanden ist, wird es schwierig", bringt Harald Baumann das Problem auf den Punkt.

Auch wenn sich die meisten Kunden an die Abstandsregeln halten und viele bereits einen Atemschutz tragen, der Schutz ihrer Mitarbeiter ist das A und O für die Einzelhändler. "Wir haben allen Mitarbeitern Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt", beschreibt Carolin Timm die getroffenen Maßnahmen. "An den Kassen haben wir Schutzschilde installieren lassen und die Kunden werden aufgefordert, möglichst mit der Karte zu bezahlen. Des Weiteren weisen Schilder, Markierungen am Boden und Absperrbänder auf die Abstandsregelung hin. Schon seit zwei Jahren stellen wir am Eingang unseren Kunden Spender mit Desinfektionstüchern zur Verfügung. Diese können auch zur Reinigung der Einkaufskörbe und -wagengriffe benutzt werden."

Hygiene ist da A und O

Frühzeitig wurden die Mitarbeiter bei Edeka Kohler auf die Einhaltung der Hygieneregeln geschult. "Auch die klassischen Verhaltensmaßnahmen wurden ihnen noch einmal nahegelegt wie zum Beispiel das Husten in die Armbeuge sowie das regelmäßige Waschen und Desinfizieren der Hände", erklärt Nicolai Bär. "An den Kassen haben wir Plexiglasschutz angebracht und vor den Frischetheken wurde zur Einhaltung des Abstands Packungen mit Grillkohle aufgebaut." Zu 90 Prozent, berichtet Harald Baumann, halten sich die Kunden an die neuen Regeln beim Einkauf, aber: "Die Mitarbeiter wissen, dass sie sich einem Gesundheitsrisiko aussetzen und fühlen sich, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, die wir veranlasst haben, nicht so wohl am Arbeitsplatz. Viele Kunden sind dennoch sehr dankbar, dass wir tagtäglich für sie da sind und uns der ganzen Situation stellen."

Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter nicht nur im Job gefordert sind. Wie in anderen Familien muss die Betreuung der Kinder organisiert werden – und das zu Zeiten, in denen andere bereits im Feierabend sind. "Viele Männer, deren Frauen hier arbeiten, sind in Kurzarbeit und deshalb zu Hause", so Harald Baumann. "Es gibt aber auch Mitarbeiter, die aktuell nicht kommen können, da sie mehrere Kinder haben. Wir kompensieren diese Ausfälle durch den Einsatz von Schülern oder Studenten." Carolin Timm ist ihrem Team für sein hohes Engagement dankbar: "Alle Mitarbeiter haben mitgezogen und zusammengehalten. Einige Mitarbeiter können die Notbetreuung für ihre Kinder nutzen, was sehr gut funktioniert." Separate Absprachen mit betroffenen Mitarbeiter machen es bei Edeka Kohler für diese möglich, Arbeits- und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. "Eine Mitarbeiterin hat zum Beispiel das Angebot der Stadt Lahr der Notfallbetreuung in Anspruch genommen. Hier wurden dann die Arbeitszeiten angepasst", berichtet Nicolai Bär. "Andere wiederum haben die Möglichkeit, über den Lebenspartner die Kinderbetreuung zu organisieren."

Froh sind alle, dass die Kunden im Großen und Ganzen Verständnis für die ungewöhnliche Situation aufbringen. "Die meisten Kunden sind dankbar, dass wir die Versorgung mit Lebensmitteln gewährleisten", sagt Carolin Timm. "Bei einigen Kunden lagen die Nerven blank und es kam zu Unverständnis wegen der Maßnahmen, die wir treffen mussten. Aber, wenn wir erklärt haben, warum diese erforderlich sind, waren die Wogen meist schnell wieder geglättet." Und Nicolai Bär stellt fest: "Tatsächlich menschelt es mehr als zuvor. Die Kunden schenken uns eine höhere Wertschätzung und das ist eine schöne Sache und gibt Kraft. Wir erhalten auch regelmäßig kleine Geschenke wie zum Beispiel eine Schachtel Pralinen für die Kassiererin. Es gab aber auch schon einen Stammkunden, der für die komplette Belegschaft ein Frühstück von der Bäckerei Dreher hat richten lassen. Das ist natürlich für unsere Mitarbeiter überwältigend."

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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