Steigende Corona-Zahlen
Notfallpläne bei der kritischen Infrastruktur

Wie steht es um die Einsatzbereitschaft in sensiblen Bereichen?
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  • hochgeladen von Daniela Santo

Ortenau (rek). Die Zahl der Neu-Infektionen steigt rasant. Bevor davon auch die sogenannte kritische Infrastruktur mit denen für das tägliche Leben betroffenen Einrichtungen betroffen ist, hatte die Bundesregierung Institutionen aufgefordert, ihre Notfallpläne zu überarbeiten und anzupassen. Wie haben darauf beispielhaft die Integrierte Leitstelle Ortenau, die Feuerwehr Kehl, der Energieversorger Badenova und der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Landratsamts reagiert? Wir haben nachgefragt.

Feuerwehr Kehl

"Des Aufrufs der Bundesregierung hat es nicht bedurft", macht Viktor Liehr, Leiter der Feuerwehr Kehl, klar. Bereits in den vergangenen Wochen seien bestimmte Maßnahmen umgesetzt worden. So findet der komplette Übungsdienst derzeit online statt. Feuerwehrfahrzeuge, die für neun Personen ausgelegt sind, werden nur mit sechs Einsatzkräften, die eine FFP2-Maske tragen, besetzt, nennt Liehr ein Beispiel. Nach Einsätzen bietet die Feuerwehr Kehl Corona-Tests an, "die auch rege genutzt werden", so Liehr. Auch auf der Wache treffen sich die in Gruppen eingeteilten Hauptamtlichen nicht mehr. Wenn Spezialeinheiten ausfallen, betont Liehr, "können wir jederzeit auf die entsprechenden Einsatzkräfte anderer Feuerwehren zurückgreifen – und umgekehrt". "Die Selbstverantwortung bei der Feuerwehr ist groß", betont Liehr, dass die Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft immer gegeben ist.

Integrierte Leitstelle

"Einen Notruf kann man nicht im Homeoffice annehmen", macht Urs Kramer, Leiter des Amts für Katastrophenschutz und zuständig für die Integrierte Leitstelle, klar. So gilt innerhalb der Leitstelle eine 2G-Regelung samt regelmäßiger Tests als freiwilliges Angebot. "Die Kollegen der verschiedenen Schichten begegnen sich nicht mehr", beschreibt Kramer die Maßnahmen. Die "gleitende Übergabe" zwischen Früh-, Spät- und Nachtschicht erfolgt ausschließlich zwischen zwei Kollegen, die sich einen Arbeitsplatz teilen. So ist ausgeschlossen, dass komplette Schichten in Quarantäne müssten. Aber auch für den Worst-Case liegt ein Plan in der Schublade: "Dann müssten Kollegen in der Leitstelle übernachten", um die Einsatzfähigkeit aufrecht zu erhalten.

Abfallwirtschaft

"Die Situation ist mit einem strengen Winter vergleichbar, wenn witterungsbedingt nicht alle Stationen von uns angefahren werden können", so Günter Arbogast, Geschäftsführer bei der Abfallwirtschaft. "Dann bleibt die grüne Papiertonne vielleicht auch mal stehen – mit ihr gibt es keine hygienischen Probleme", nennt er die Priorisierung. Denn das Ziel ist, die Entsorgung des Hausmülls sicherzustellen. Kritisch kann die Situation bei den Müllwerkern selber kaum werden, aber: "LKW-Fahrer sind ohnehin knapp, wenn dort welche ausfallen, muss neu disponiert werden", so Arbogast.

Strom, Erdgas, Wasser

"Der Netzbetrieb läuft bei uns, wie bei allen Versorgern, weitgehend automatisiert ab, von daher ist bei normalen Betriebsabläufen auch bei Personalausfällen erst einmal keine Gefahr in Verzug. Das wird erst dann ein Thema, wenn unerwartete Störungen eintreten", so Badenova-Pressesprecher Roland Weis zu den Netzen für Strom, Erdgas oder Wasser und Abwasser. In den Verbundleitwarten werden im 24-Stunden-Mehrschichtenbetrieb nicht nur die Schichten streng voneinander getrennt. In anderen sensiblen Bereichen wie den Bereitschaftsdiensten bei tatsächlichen Störungen kommt es nur bei signifikanten Personalausfällen zu kleinen Verzögerungen, weil der Anfahrtsweg für den nächsten Trupp etwas länger sein könnte.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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