Traditionelle Eintöpfe zu Fastnacht: Bohnensuppe ist für die Narren in der Ortenau ein Muss
Wenn Bohnen, Erbsen und Linsen in den Topf kommen

Ein Eintopf sättigt und wärmt von innen – einfach perfekt für die närrischen Tage.
  • Ein Eintopf sättigt und wärmt von innen – einfach perfekt für die närrischen Tage.
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Die Bohnensuppe gehört zur alemannischen Fastnacht wie die Häs. Ab dem Schmutzigen Donnerstag wird das nahrhafte Gericht bis zum Fastnachtsdienstag angeboten, oft bei der traditionellen Straßenfastnacht, deren Auftakt übrigens auch an diesem Tag ist. Wenn
von Bohnensuppe die Rede ist, dann ist aber meist die Variante aus
Bohnenkernen und nicht die aus frischen grünen Bohnen gemeint.

Am besten schmeckt Bohnensuppe, wenn sie aus der „Gulaschkanone“ kommt.
Keiner weiß warum, aber je größer die Menge ist, in der sie gekocht
wird, desto leckerer wird sie. Die klassische Bohnensuppe besteht aus
weißen Bohnenkernen, Suppengrün und natürlich Fleisch- oder Gemüsebrühe.
Ab da scheiden sich die Geister, für die einen muss unbedingt noch
Speck mit rein, für die anderen geht es nicht ohne Würstchen als
Einlage. Der eine mag sie scharf mit Chili und Knoblauch, der andere
zieht sie sanft vor. Besonders schön sieht eine Bohnensuppe aus, wenn
man nicht nur die klassischen weißen Kerne, sondern auch rote Kidneybeans oder grüne Favella verwendet. Zugegen, nicht stilecht, aber schön bunt auf dem Teller.

Doch nicht nur Bohnensuppe hat Konjunktur über die närrischen Tage: Auch Erbsensuppe
(hier gilt das gleiche Prinzip, je mehr desto besser) bieten die Narrenzünfte landauf,
landab an. Weniger gefragt ist Linsensuppe – die dritte in der Reihe der
schmackhaften Gerichte aus Hülsenfrüchten.

Während früher im Winter solche nahrhaften Mahlzeiten grundsätzlich aus getrockneten
Früchten zubereitet wurden, gibt es heute die Möglichkeit auf Konserven
oder Tiefkühlware in Sachen Bohnenkerne zurückzugreifen. Auch wer auf
getrocknete Bohnen, Linsen oder Erbsen besteht, der muss sie nicht
unbedingt mehr über Nacht einweichen lassen. Es gibt auch solche, die
„nur“ gekocht werden müssen – in einer akzeptablen Zeit.

Erbsen sie sind in der Regel grün, meist werden Pal- oder Schälerbsen
getrocknet. Die Ausnahme sind die Kichererbsen, die vor allen Dingen in
der Küche des Orients Verbreitung finden. Aus ihnen wird leckeres Mus
zubereitet, eine raffinierte Suppe, aber auch Falafel – leckere
Veggie-Frikadellen.

Linsen werden in Deutschland in zwei Formen verzehrt: als nahrhafter Eintopf oder als Linsen mit Spätzle. Für beide Rezepte eignen sich die klassischen braunen Tellerlinsen. Sie müssen
über Nacht eingeweicht werden, sonst erlebt man das Ende der Garzeit
nicht. Das Einweichwasser wird oft auch verwendet.

Zarter sind die grünen Puy-Linsen aus Frankreich. Sie zählen ebenso wie die dunklen
Beluga-Linsen zu den besten und feinsten Sorten. Beide müssen nicht
eingeweicht werden, da sie eine dünne Schale besitzen. Beide zeichnet
ein nussiges Aroma aus und sie eignen sich ausgezeichnet für Salate und Tellergericht.

Rote Linsen stammen aus Indien. Sie werden dort nicht nur zu einer sehr delikaten Suppe zubereitet, sondern gerne auch mit anderem Gemüse oder Fleisch als Curry gemischt verzehrt. Sie sind mehlig und zerfallen leicht, ihre Kochzeit ist ausgesprochen kurz.

Doch zurück zum traditionellen Bohneneintopf. Es versteht sich von selbst,
dass jede Narrenzunft in der Ortenau ihr eigenes Rezept hat, das oft
schon vor Jahrzehnten zum ersten Mal festgehalten wurde und fester
Bestandteil der ureigenen Fasent ist. Viele Zünfte achten auch darauf,
nur heimische Zutaten für die „Buhnesupp“ zu verwenden. Heimat und
Tradition verpflichten eben. Schon der Narrensamen weiß: Wer ein echter
Fastnachter sein will, der braucht Bohnensuppe. So ist es auch nicht
verwunderlich, dass sich auch die Kleinen am frühen Morgen des
„Schmutzigen“ ihren Eintopf schmecken lassen. Und nicht selten kommt es
vor, dass die Töpfe schnell leer gegessen sind. Wer dann nichts bekommen
hat, hat wenigstens die Gewissheit: Im nächsten Jahr gibt es sie
wieder, die leckere Bohnensuppe nach Rezept der Narrenzünfte.

Autor: Christina Großheim

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